Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Briefe eines deutschen Künstlers aus Italien
Person:
Speckter, Erwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-447915
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-450829
jubelten wir, tranken ein über das andere Mal das Wohl 
der Polen und zogen so bald die ganze Gesellschaft mit 
hinein, daß trotz der Diplomaten die Alten wie die Juni 
gen schwcirmten und das Ganze dem heitersien BacchanaIc 
glich. Es wurden Gesundheiten über Gesundheiten ge: 
trunken und als bei dieser Gelegenheit ich in Schadowis 
Nähe kam, den ich seit unserm Misverstöindniß erst einmal 
flüchtig gesprochen, ging er auf mich zu, sagte mir über 
mich, sein Verhältnis; zu mir, meine Arbeit u. s. w., 
viel Schmeichelhaftes und umarmte und küßte mich drei: 
mal als Zeichen der Versöhnung sehr herzlich vor der 
ganzen Gesellschaft. Ich, schon von Jubel und Wein 
begeistert, wurde dadurch so gerührt, daß ich mit allen 
seinen Schülern Brüderschast trank, die sie mir anböten. 
Darauf tranken sie mit allen Cornelianern und so war 
.die allgemeine Versöhnung da, aber auch.zugleich der 
RaUfkh, besonders bei meinem Neher und mir. Nach 
vielem Toben ward die Tafel aufgehoben und wir gingen 
nun mit Fackeln durch den Garten zu einem Antikensaal, 
wo Kasfee und dann noch Glühwein getrunken wurde. 
Die frische Luft zeigte denn nun den noch etwas Nüchs 
ternen oder Nüthternern, daß es bei densMeisten nicht 
mehr recht richtig war, Alle taumelten und redeten be: 
geisterten Unsinn; aber Alles war froh und jauchztc. 
Einige der alten Helden, wie der alte Reinhard, waren 
die Silene, die, von jüngern taumelnden Faunen ges 
schleppt, vor Seligkeit schwermüthig dem Fackelzuge folg: 
ten, und unter diesen war sogar ein Diplomat. Dann 
ging der ganze Schwarm, theils in Wagen, theils zu 
Fuß und mit Fackeln, selig zur Stadt. Einige Begeis 
sterte zündeten fast die Dornenhecke an, doch löschte der
        

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