Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Leben der ausgezeichnetsten Maler, Bildhauer und Baumeister
Person:
Vasari, Giorgio Förster, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-432466
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-434504
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cXXXIV. 
Das 
Leben 
des 
ftorentinischen 
Bilbhauers 
Dennoch haben sie richtiges Perhältniß nnd sind in vielen 
Theilen schön, denn .vermißt man darin auch die Grazie, 
welche er feinen Statuen nicht zu geben wußte, wie sonst 
schon gesagt ist, so verdienen sie doch um ihrer Kunst und 
Zeichnung willen genugsames Lob. Eine edle Dame, die 
sie betrachtete, wurde Von einigen Herren gefragt, was sie 
Von diesen nackten Körpern halte. Von den Männern, 
antwortete sie, kann ich nicht urtheilen, und als man bat 
sie solle über die weibliche Figur ihre Meinung äußern, er: 
wiederte sie: zwei Dinge scheinen mir an dieser Eva recht 
gut, daß sie nämlich weiß ist und aus einem festen Stoff 
geformt. So wußte sie sinnreiche bei scheiubarem Lob vers 
deckten Tadel auszusprechen, scharf gegen den Meister und 
fein Werk, indem sie an der Statue rühmte was weiblichen 
Körpern eigen ist, dem Stoff des Marmors indeß nnd nicht 
dem Kunstwerke angehört, nicht den Meister lobte sondern 
in derThat anssprach, daß an dieserStatne nichts zu rüh: 
men sey als der Marmor. 
Baceio begann die Statue des todten Christus; da 
sie ihm jedoch nicht nach Wunsch gelang, ließ er sie liegen, 
obwohl er sie schon ziemlich weit ausgeführt hatte, nahm 
ein anderes Stück Marmor und begann eine zweite in ver: 
Ein teuer 
Christus. 
Auch gab diese von ängstlich gewisseI1hasten Leuten vorgesd;lagene 
Maßregel den Schöngeistekn ieuek Zeit Stoff zu manchem Epigk3annn 
und Somit. Die beiden Statuen befinden sich gegenwiirtig in dem 
bereits vesehriebenen Solon des Palazzo Vecchio, und sie sind sehr ge; 
schätzt, weil man weiß, daß Baccio viel Fleiß und Studium auf die: 
selben verwandt hat. Auf das Piedestal hat er selbst seinen Namen 
und die Jahreszahl 1551 eingen1elßelt. Bottnri bemerkt, daß man 
durch die Entfernung der Statuen Von ihrem nrsprünglicl;en Standort 
die Absicht des Künsilers zu Schande getaucht habe, welcher durch diese 
hinter und über dem Hauptaltar der Kathedrale aufgestellten Bild: 
flinken den Sündenfall Adams und die Erlösung von demselben, 
nämlich den Tod Chi:ii1i und die durch diesen dem Menscl7engescl1lechte 
von Gott ertheilte Erlösung von der Sünde habe darstellen wollen.
        

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