Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zur Geschichts-Literatur
Person:
Häusser, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-400900
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-402343
Friedrich Pekthec5. 
6l 
sc-Ecken Aufzeichnungen niedergelegt hat. Mit der ihm eigenen Frische 
faßt er Menschen und Zustände auf, hält sorgfältig Umschau über die 
StLmmungen und Ansichten der Leute mit denen er zusammentrifft, 
und führt uns bezeichnende Persönlichkeiten und ihre Aeußerungen in 
plastischer Lebendigkeit vor Augen. Von J-nteresse sind namentlich die 
Mittheilungen über Bayern, wo er noch den Nachklang der Mont- 
gelas7schen Stimmungen vorfindet, und den wachsenden Gegensatz von 
Seiten des Klerus in bezeichnenden Zügen nachweist. Nach seiner 
ganzen Art zu denken hatte der protestantifche Perthes keinerlei Sym- 
pathie mit den Grundsätzen und der Praxis der JlIuminaten, sondern 
fühlte sich eher zur Kirche hingezogen; indem er den Druck schildert 
den sie vielfältig empfinden mußte, und die Ungunst von Seiten der 
Beamtenwelt, hebt er noch deutlich die guten Seiten der Geistlichkeit, 
ihre Genügsa1nkeit und den thätigen Eifer hervor den sie ins Kirche, 
Schule und Wohlthätigkeit-3anstalten bekundete. ,,Jch habe", sagt er 
,,viele tüchtige Persönlichkeiten unter ihnen gesehen, manche die durch 
Geist und Gelehrsamkeit, Ernst und innere Sammlung einen bedeu- 
tenden Eindruck n1achten." Doch meint er auch: ,,fühlt sich der Klerus 
erst wieder sicherer in Bayern, so wird manches, was jeHt an ihm 
gut und groß ist, anders und schwerlich besser werden; noch aber ist 
er sehr vorsichtig und auf der Hut, wie ich namentlich an der Haltung 
gegenüber den WUnderheilungen Hohenlohe"s und den wiithenden Aus- 
sällen anderer beobachtet habe." 
Unter den zahllosen Briesen die Perthes schrieb, und die er 
empfing, bezogen sich die meisten auf das Geschäft; viele hatten einen 
politischen, viele einen kirchlichen Inhalt, aber oft auch wandten sich 
die verschiedenartigsten Menschen in den buntesten Lebenslagen an ihn, 
bald um feinen Rath oder seine Hülfe in Anspruch zu -nehmen, bald 
Um Freud und Leid mit ihm zu theilen. Ein Mann, den Perthes 
Nie gesehen, verlangte einstmals Rath von ihm, wie er Mißgriffe bei 
der Wahl einer Frau vermeiden könne, und auch dem wunderlichen 
Kauz ward seine treffende Antwort. Es stand Perthes fast immer 
das rechte Wort zu Gebot, um die wunden Stellen eines mit seiner 
GesUUdheit prahlenden Kranken zu treffen. oder einen niedrigen Men- 
schen vornehmen oder geringen Standes zurtickzuweisen, wenn er sich 
ihm aufdrängen wollte.  Hochwohlgeboren wollen alles, können 
weniges und thun niihts," schrieb er einmal einem hochfahrenden Herrn. 
,,AU Jacobs können Sie lernen," schrieb er einem andern, ,,daß es
        

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