Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zur Geschichts-Literatur
Person:
Häusser, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-400900
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-408782
Memoiren und Brief:-oeck)sel des Königs Joseph Napoleon. 
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seine wunderbare Rettung vor der Höllenmaschine zu preisen hat. 
Es liegt darüber ein Schreiben Talleyrands an Joseph Bonaparte 
vor, das deutlich zeigt wie man gleich im ersten Moment entschlossen 
war das fehlgefchlagene Attentat im Sinne monarchischer Restauration 
zu nähen. Ihr Bruder, schreibt Tallehrand etwa sechsunddreißig 
Stunden nach dem mißlnngenen Schlage, hat vonzalIen Behörden, 
einer Unzahl von Militärs und aus allen Bürgerclasfen Zengnisse 
der Liebe und Verehrung erhalten; alle GeInüther haben sich natur- 
gemäß zum Vertrauen auf die Zukunft gewendet, unter dem Eindruck 
des Glückes, das jedermann darüber empfindet, daß ein so fchreckliches 
Attentat nicht gelungen ist. Jndefsen verbirgt sich auch niemand daß 
die Zukunft mehr Garantien bedarf, und man beschäftigt sich damit 
deren zu finden. Man kann überzeugt sein daß diejenigen die er- 
wünschtesten sind die den Verbrechern jede Hoffnung bene"hmen mit 
Attentaten auf das Leben des ersten Eonfuls ihren Zweck zu erreichen. 
In denselben Tagen wi(h auch die Sprödigkeit des kaiferlichen 
Unterhändlers; die Botschaften von der Rathlosigkeit in Wien und 
dem Mangel jeder geordneten Widerstandskraft drängten sich immer 
bedrohlicher zusammen. So ließ sich denn Cobenzl in den letzten 
Stunden des scheidenden I Jahres dazu herbei ohne England in die 
Unterhandlung einzutreten. Vergebens hatte er noch einen letzten 
Versuch gemacht wenigstens vorher einige Gewißheit darüber zu er- 
halten welches Entschädigungsloos Oesterreich zufallen werde; er mußte 
sich ohne feste Zusage von den letzten Verbündeten trennen. Damit 
war er freilich der französischen Politik auf Discretion preisgegeben. 
Wenn schon vorher grobe Drohung und Einschüchterung gegen ihn 
geübt ward, wie viel mehr jetzt wo ihm auch der letzte Rückhalt 
eines Alliirten fehlte! So ist denn die Unterhandlung der nächsten 
Wochen nur eine Reihe von Nachgiebigkeiten des österreichischen Bevoll- 
mächtigten. Die Rhein- und Etschgränze muß er zulafsen, er kann 
nicht hindern daß die kaiserlichen Agnaten aus Jtalien verdrängt 
werden, er muß dazustiu11nen daß der Kaiser den Frieden zugleich im 
Namen des deutschen Reiches zu Luneville abscl)ließe. Vergebens 
sträubt er sich auch gegen den Grundsatz der Säcularifationen. Es hat 
nichts außerordentliches, schreibt darüber Talleyrand am 24. Jan. 
1801, daß ßch in dem Entwurfe Cobenzls die Bestimmung nicht 
findet, an deren Ausnahme in den definitiven Vertrag Frankreich 
am meisten liegt. Wenn Oefterreich endlich seine übertriebenen An- 
Häusfer, Gesammelte Schriften. 1l.  45
        

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