Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zur Geschichts-Literatur
Person:
Häusser, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-400900
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-402060
Lamattine"-S Geschichte der Revolution von l848. 
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Die Factionen fingen an sich zu scheiden: es war zunächst die 
liberale und nationale Partei (wie sie Lamartine nennt), jene Verbin- 
dung verschiedener Elemente, die aber ihre individuellen Wünsche ver- 
tagteu und sich damals uneigenniitzig zu einem gemeinsamen patriotischen 
Ziele vereinigten; dann die Socialiften, endlich die eigentlich revolutio- 
näre Partei. Von den Socialisten versichert Lamartine aufs entschie- 
denste, daß sie zu dieser Zeit allen gewaltsamen Tendenzen abgeneigt 
gewesen seien; nur der revolutionären Partei traut er das zu, die sich 
schon gegen die Revolutiou die sie hatte machen helfen, wieder verschwor 
ehe Ae fertig war. Diese Partei welche die erste Revolution verdorben 
hatte, und die zweite schon nach der ersten Nacht zu verderben suchte, 
ist überall vorhanden als Element der Unordnung und des Verbrechens; 
in Frankreich mehr als irgend sonstwo gesteigert und genährt durch die 
Erinnerung an den Terrorismus. Was Lamartine über die Anfänge 
dieser Partei sagt, enthält eine Wahrheit die auch für Deutschland 
ihre ganze Anwendung findet. ,,Diese Schule, sagt er, bildete Ach 
weiter aus unter der Restauration und unter Louis Philipp; die Op- 
position machte die Sophismen populär, die Jmmoralität nahm sie 
auf, die Nachahmung verbreitete sie, der Nachgeschmack des Verbrechens 
ergötzte sich daran; man kam bis zu der Höhe des Wahnsinns die 
Schandthaten heilig zu sprechen. Es war das Unrecht der alten Ge- 
sellschaft den leidenden Theil der städtischeu Bevölkerungen ohne Be- 
lehrung, ohne Organisation, ohne Wohlsein sich selbst zu überlassen; 
denn im großen Elend leimen leicht große Laster, alles was sich beugt, 
verdirbt leicht, das Verbrechen ist ein Miasma der Armuth und der 
Brutalität." 
Diese letzte Partei fing an sich zu regen; sie hatte talentvolle, 
energische Führer, wie Blanqui, Barbc-Es, Sobrier, und alle die Leute 
die wir nachher in der Emeute sich haben aufbrauchen oder verbluten 
sehen. Lamartine knüpfte mit allen Bekanntschaft an; bei manchen, 
z- V. Barbes, für den er Fürsprache beim König gesucht als er zum 
Tod verurtheilt war, gab Reh der Anlaß von selber. Er beurtheilt 
alle Viele Leute sehr mild; mit Ausnahme von Blanqui, dessen kalte, 
VUUaSV8klc)O Gewissenlosigkeit und Schlechtigkeit er wenigstens andeutet, 
hebt er an jedem lieber die milden als die herben Züge hervor. Doch 
gibt er zu welche Gefahr das clubistische Treiben dieser Leute der Re- 
publik zu bringen drohte. Die Clubs, sagt er, sind nichts anderes 
als das tumultuarische Zusammenrotten, in Regeln und Perioden ge- 
Höl!Hkk, Gesammelte Schriften. II. Z
        

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