Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zur Geschichts-Literatur
Person:
Häusser, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-400900
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-401938
20 Erste Abtheilung. Zur Geschichts-Literatur. 
Spiele ständen, und daß es nothwendig sein möge selbst die Freiheit 
zu opsern um die Civilisation zu retten. Macaulay verweist daneben 
mit aller Zufriedenheit auf England und schließt: Und wenn gefragt 
wird was diesen Unterschied zwischen uns und den andern bewirkt hat, 
so. ist die Antwort: daß wir niemals verloren haben was andere wild 
und blindlings wieder zu gewinnen suchen. Weil wir im 17ten Jahr- 
hunderte eine erhaltende Revolution gehabt haben, deßhalb haben wir 
im 19ten keine zerstörende Revolution gehabt. Weil wir inmitten der 
Knechtschast Freiheit hatten, haben wir Ordnung inmitten der Anarchie. 
Für das Ansehen des Gesetzes, für die Si(herheit des Eigenthums, 
für den Frieden unserer Straßen, für das Glück unserer Herde gebührt 
 unser Dank, nächst Ihm der nach seinem Gefallen Nationen erhebt 
und niederstürzt, dem langen Parlamente, der Convention und Wilhelm 
von Oranien.-) 
 
"f) Jn einer kurzen Besprechung der Uebersetzung Beselers (Allgem. Ztg. 
27. März 1852 Blg. 87) findet Ach folgende Stelle: Als gesunde Nahrung 
für Kopf nnd Herz bietet Beseler das Werk des englischen Staatsmannes und 
Geschichtschreibers, das mit Nutzen zu lesen nach seiner Ansicht gerade jetztt-as 
deutsche Volk vorzugsweise in der Lage ist. ,,Die Nation, sagt er, hat sich 
zum erstenmal wieder selbst mit ihren eigenen Angelegenheiten beschäftigt; sie 
hat bittere Erfahrungen gemacht und ist vielfach cnttänschtworden. Was alles 
Lesen und Lernen nicht gewähren konnte, ist von uns in den letzten Jahren 
auf dem Markt des Lebens erworben: die Fähigkeit Thatsachen und Personen 
ohne angelernte Vorurtheile der Schule und ohne anerzogene Mattherzigkeit 
zu wiirdigen." J-n dieser nicht hoffnungslosen, vielmehr fast optimistischen Be- 
trachtung der trüben Gegenwart läßt sich Beseler selbst nicht durch eine Par- 
allele der gegenwärtigen Lage Großbritauniens und Deutschlands irre machen; 
er sieht dadurch nur seine Ansicht bestätigt: daß das deutsche Volk noch eine 
lange und miihevolle, aber glorreiche Bahn zu durchlaufen hat, daß wir aber 
in unserer gefchichtliihen Entwicelung noch nicht viel weiter gelangt sind als 
die Engländer vor zwei Jahrhunderten. 
Die Vergleichungen nnd allerdings nahe genug gelegt, und wenn über- 
haupt aus geschiehtlichen Erkenntnisse! für die Gegenwart etwas zu lernen 
ist, so gibt jener Abschnitt der britischen Geschichte wenigstens das reichste 
Material dazu. Der langsam fortschreitende zähe Kampf des um jeden Buch- 
staben mühsam befestigten öffentlichen Rechts, die Riicks(hläge monarchifchcr 
und antitnonarchisiher Extreme, die natürliche Reaction nnd Abstumpfung 
der Gemiither nach dem Erstlingsgenuß der Revolution, der vollständige mo- 
ralische Sieg der monar(hischen Ordnung, und dann wieder der jähe, ab- 
schüssige Gang der Rücksichtslosen nnd Ungeduldigen unter denen welchen die 
Hut des Thrones anvertraut ist  das alles klingt uns wie Episoden aus
        

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