Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zur Geschichts-Literatur
Person:
Häusser, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-400900
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-404715
298 Erste Abtheilung. Zur Geschichts-Literatur. 
 daß dieser Plan dennoch als allein heilbringend betrachtet wurde, 
und zwar hauptsächlich wohl weil man die verwirrte Vorstellung von 
der Wirksamkeit der drei Armeen durch jedermann zugängliche wenn 
auch völlig nichtssagende Gleichnisse aus der Fortification und durch 
leiiht saßliche Gemeinplätze plausibel zu machen gewußt hatte. Es ist 
besonders ein E-rgebniß der Kriege Napoleons, wenn man zu der Er- 
kenntniß gelangt ist daß in der Kriegführung die einfachsten Combi- 
natiouen zugleich die richtigsten sind, nicht allein weil künstliche Com- 
binationen und zusammengefetzte Bewegungen schwer auszuführen sind, 
sondern ebensosehr weil sie Umwege veranlassen und nicht gerade zum 
Ziel führen. Mit dieser Erkenntniß fiel auch nothwendig die ganze 
damalige sogenannte Generalstabs-Gelehrsamkeit, die den gesunden 
einfachen Sinn so manches tüchtigen Soldaten umdüstert hatte, völlig 
zusammen, und es steht zu erwarten daß das erleichter-te Studium 
der Kriegsgeschichte auch nach den längsten Friedensperiodeu vor ähn- 
lichen Verwirrungen bewahren wird."  
Freilich hing das unentfchlossene und zaghafte Verfahren der 
preußischen Feldherren zum Theil mit politischen Motiven zusammen. 
Man wollte keinen Schritt thun wodurch die Erhaltung des Friedens 
unmöglich wurde; es liegen urkundliche Beweise vor daß man es, troH 
aller Rüstungen, noch fünf Wochen vor der Katastrophe von Jena 
mit dem Kriege nicht recht ernstlich meinte. Auc) im Volke war das 
Vertrauen auf entschiedene Maßregeln, bezeichnend genug, trotz alles 
Kriegslärms, völlig geschwunden; man glaubte nicht daran, wenigstens 
solange nicht als Haugwis3 mit Lombard und Behme am Ruder 
saßen, und der Glaube daß diese Männer blindlings der französischen 
Politik unterthan seien und den Krieg solange nur immer thunlich 
 vermeiden würden, war auch dann noch nicht zu beseitigen als bereits 
von beiden Seiten die Armeen auf einander im Anmarsch begriffen 
waren. Ueber die Führer selbst haben wir von verschiedenen Seiten 
zum Theil sehr abweichende Schilderungen und Charakteristiken er- 
halten; Höpfner schöpft hier aus dem Manuskript von Clausewit;s, und 
gibt darnach, wie sich erwarten läßt, eine feine und scharfe Zeichnung. 
Dem Herzog von Braunfchweig werden glänzende und vielseitige 
Eigenschaften zuerkannt, aber der frische Muth, die stolze Gleichgültig- 
keit gegen das Unglück und das in dieser Lage so nothwendige Selbst- 
vertrauen an ihm vermißt, das er seit den Feldzügen von 1792 und 
93 völlig eingebüßt hatte. Es gebrach dem Herzog namentlich auch
        

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