Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zur Geschichts-Literatur
Person:
Häusser, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-400900
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-404285
Steins Leben, Von G. H. Pers. 
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i(h mir nicht bewußt wäre daß ich vormals nur gegen wälsche Ty- 
rannei und Trug und gegen ihren fleckigen Anhang im Vaterlande 
gehandelt und gewirkt habe, so hätte ich durch die Berfolgnngen die 
ich dafür in einem Reiche das ein guter und milder Fürst regiert, 
erlitten habe, wohl an mir selbst irre werden können. Zehn Jahre 
Verfolgung nnd Behandlung als wäre ich ein lumpiger Vagabund 
oder alberner nnd verruchter Verschwöre-r, Beraubung eines Drittels 
meiner Einnahme, Verweigerung der Bezahlung der Proceßkosten wie des 
richterlichen Spruchs, worum ich wiederholt gebeten, kurz Verweisnng 
aus einem leidlichen Zustand auf einen äußerst beschränkten und 
bedrückten, wo ich kaum mit meiner zahlreichen Familie durchkomme  
und das alles unter dem Vorwand nnd mit der Antwort von den Be- 
hörden ,,die Umstände gestatten es nicht anders," alles das hätte ich wohl 
zerbrechen können, aber meine Liebe für mein Vaterland, meine Hoff- 
nung auf Preußen und seinen trefflichen König konnte es nicht abkiihlen." 
Der französischen Umwälzung folgte rasch die belgische; sie war 
in ihren Motiven, Mitteln und Zielen Stein noch verhaßter als die 
Revolntion der drei Juliustage. Darüber fand er siih auch einig mit 
allen Freunden. Gagern, Niebnhr, Arndt dachten darüber wie er. 
Auch Erzbischof Spiegel erklärte sich der belgischen Bewegung ganz 
abhold; sie ist, sagt er, im Princip schlechter wie jene in Frankreich; 
ich betrachte sie als Ausbruch des Uebern1uths der dasigen katholischen 
Aristokratie, welche die nngebildete, hyperzelotische Geistlichkeit im Ge- 
folge hat, und das Volk als Werkzeug mißbraucht. Alle waren indeß 
darüber einig daß ein guter Theil des Uebels durch die starre, be- 
schränkte Persönlichkeit König Wilhelms herbeigeführt sei, nnd daß sich 
jetzt der Fehler räche 1814 bis 1815 dies; ephemere Königreich ge- 
schaffen zu haben, statt der Wiedervereinigung Belgiens mit Deutsch- 
land. Der König hat sich, schrieb Stein an Gagern,t,i Ungerechtigkeit ' 
gegen Deutschland überhaupt, gegen Preußen insbesondere, Starrsinn 
und Tactlosigkeit in der Regierung seiner Länder vorzuwekfEU- Die 
Ungerechtigkeit gegen Deutschland ist seine Behandlung der Rheinschisf- 
fc1hrtssache, die noch bis auf den heutigen Tag nicht geordnet ist, aber 
durch die Trennung factisch geordnet wird; ferner das alle deutsche 
Industrie und Handel zurückweisende niederländische Zollgesetz. Beide 
Maßregeln trafen auch noch ganz eminent das preußische Fabrikenland, 
V) Die Stelle ist in dem 1833 erschienenen Briefwechsel aus nahe liegen- 
den Gründen weggeblieben. 
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