Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zur Geschichts-Literatur
Person:
Häusser, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-400900
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-403724
Stejns Leben, von G. H. Pers. 
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man die Habeas co1-pas, die Abschasfung der Leibeigenschaft ausgelassen 
hat, und welche durch keine schützende Einrichtung verbürgt werden." 
Stein erwartete sich von einer solchen Verfassung nur schwachen Ein- 
fluß auf das öffentliche Glück Deutschlands; seine Hoffnung war wieder 
vorzugsweise auf Preußen gestellt. Die absolutistischen Grundsätze der 
Regiernngen, hofft er, würden nach und nach durch die öffentliche 
Meinung, die Freiheit der Presse und das Beispiel zerstört werden, 
,,welches mehrere Fürsten, besonders Preußen, geben zu wollen scheinen, 
indem sie ihren Unterthanen eine weise und wohlthätige Verfassung 
ertheilen." 
Den Schlußabfchnitt des Bandes bilden die Verhandlungen über 
den zweiten Pariser Frieden, der das Unrecht des ersten unverantwort- 
licher wiederholte. Zu dem was hauptsächlich Gagern und Schaumann 
darüber mitgetheilt, bringt Pertz manche Ergänzung und Berichtigung 
bei; Steins persönliche Betl)eiligung wird natürlich genauer als bisher 
nachgewiesen. Die Anschauungsweise des Geschichtsschreibers, feine 
scharfe und strenge Beurtheilung des Pariser Abkommens ist von der 
wärmsten patriotischen Ueberzeugung eingegeben, und erhöht den bittern 
und niederschlagenden Eindruck den die Geschichte jenes Abschnitts schon 
in den früheren Darstel1ungen geweckt hat. Vortrefflich weist er nach 
wie es dießmal nicht die ,,Großmuth" Alex-anders, sondern das offen 
eingestandene Jnteresse der russischen Politik war, was Deutschland 
nicht verstärkt, Frankreich nicht geschwächt sehen wollte; über die 
brittische Politik und ihr Verhalten namentlich in der niederländischen 
Frage hat ohnedieß die Zeit gerichtet. ,,Für Deutschland  so schließt 
Pertz seine Darstellung  ging ans diesen Kämpfen und Verhand- 
lungen die theuer erkaufte Lehre hervor daß keine der großen euro- 
päischen Mächte aufrichtig sein Heil, seine Sicherheit und Kraft wünscht; 
daß jede derselben unter allen Umständen bereit ist mit deutschem Blute 
und deutschen Waffen ihre Kriege zu führen, daß deutsche Mächte, die 
großen wie die kleinen, in der Stunde der Noth gesucht und gefeiert und 
mit den bündigsten VerspreGungen zur Hingel)ung ermuntert werden, 
daß aber so wie deutsche Heere den Sieg errungen haben und der 
gemeinschaftliche Feind niedergeworfen ist, keine deutsche Macht, weder 
große noch kleine, auf gerechte Entschädigung und auf die nothwendigen 
Bedingungen der Unabhängigkeit rechnen darf, -sondern erwarten muß 
daß die andern Mächte sich über Deutschlands Verluste die Hände 
reichen. Deutschland darf seine Hoffnung so wenig auf England als
        

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