Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen Mythologie mit Einschluß der nordischen
Person:
Simrock, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-391329
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-394028
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Nuß- 
Schwalbe. Jdafeld. 
Schnelligkeit des Sturmwindes zu bezeichnen. Aus Grimnisn1al 11 
(s. o. F. 21) wissen wir, das; Thiassi in Thrymheim wohnte, dessen 
Name an Thrym erinnert, den Riesen der Thryrnskwida, der ein älterer 
Naturgott dem Th6r den Hammer stahl, und selbst nac:h dem Donner 
(t11rum-. - t.onitru) genannt ist. Thrymheim bedeutet also wohl das 
stnrmtosende Waldgebirge, aus dem alle rauhen, scharfen Winde zu 
kommen pflegen: seinem Gebiete haben sich die Götter genaht, als sie 
iiber Berge und öde Marken fuhren, wo es um ihre Kost schlecht bestellt 
war, womit die Unfruc"htbarkeit des Waldgebirges bezeichnet ist. Thiassis 
Name hat noch keine sichere Erklärung gefunden; über sein Wesen kann 
nach dem Obigen kein Zweifel fein: er ist ein Stnrmriese und zwar wie 
wir sehen werden, ein Riese der Herbststiirme, wie Beli, Gerdas Bruder, 
sich auf die Stürme der Frühlingsnachtgleichen bezog. Als Sturmwind 
verhindert er auch, das; der Sud zu Stande kommt, indem er das 
Kochfeuer verweht. Wie jener Baumeister Sonne und Mond und die 
schöne Freyja bedingte, wie Thrym als Lösegeld für Th6rs Hammer den 
BefiZ derselben Göttin begehrte, so möchte Thiassi den Göttern Jdun 
entziehen, ja er erhält sie wirklich fiir Lokis Befreiung, nnd Loki muß 
sie ihm erst wieder entführen. Wer ist nun Jdun? Aus D. 2(5 lernen 
wir sie als Bragis Gattin kennen, des Gottes der Dichtkunst, des Skalden 
Odins; aber das führt uns nicht weiter. Mehr sagen uns ihre Aepfel 
und das Altwerdeu der Götter bei ihrem Verschwinden," und daß sie in 
Gestalt einer Nuß, nach andrer Lesart (LexMytI1.199) einer Schwalbe, 
von Loki zurückgebracht wird. Den Stamm ihres Namens bildet die Partikel 
ici; die Schluszsilbe ist nur bei weiblichen Namen gebräuchliche Ableitung; 
jene untrennbare, noch in dem mittelhchd. it(-niuwe fortdauernde Partikel 
aber bedeutet wieder, wiederum: besonders wird i(1 gern mit Grünen verbun- 
den (Wöl. 58 jö1-cih or liegt idhjagraena) und vielleicht erklärt uns dies; 
den Namen des Jdafeldes, wo sich in der verjiingten Welt die goldnen 
Scheiben wiederfinden, das Spielzeug der Götter in ihrer iIi1sch11ld: es 
ist von der wiederergrünten Erde oder von der wicdererworbes1en goldenen 
Zeit benannt, und wenn- es schon früher (Wölusp.7) so hieß, so ist dies; 
eine Vorwegnahme. So drückt Jduns Name den Begriff der Wiederkehr, 
der Erneuung, der Verjüngung aus, und wenn wir bei ihrem Verschwinden 
die Asen grauhaarig und alt werden sehen, so möchte man in ihr wie in 
jenem Mädchen aus der Fremde den Frühling, die verjiingende Kraft des 
Lenzes oder gar der Jugend selbst vermuthen: beides fällt in höherm Sinne 
zusammen; doch denkt man hier lieber an den Frühling, da ihre goldenen 
Aepfel, als eine Frucht des Jahrs, eher auf dieses als auf das ganze 
Menschenleben deuten. Sie ist hienaeh nicht der Frühling selbst, doch 
die verjüngte Natur im Schmucke des Frühlings, oder wie es Uhland 120
        

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