Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen Mythologie mit Einschluß der nordischen
Person:
Simrock, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-391329
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-393905
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Thryn1Bktvida. 
Stute, jenem Hengst entsprechend. Da wir den Hengst als NordIvind 
begriffen haben, so muß die Stute gleichfalls als ein Wind, und zwar 
als ein siidlicher, aufgefaßt werden. Indem nun die beiden Pferde sich 
nachlaufend im Walde hin- und herrennen, stellen sie den Wechsel und 
Wandel der Winde beim Anbruch des Friihjahrs dar. An dem Riesen- 
zorne, der den Baumeister ergreift, als er sieht, daß seine Arbeit vergeb- 
lich ist, erkennen nun die Götter erst klar, daß der Werkmeister, der ihnen 
gegen die Riesen eine Burg erbauen sollte, selbst Einer ihrer Feinde, der 
Riesen ist. Da rufen sie zu Th(3r, der bisher abwesend war, denn als 
somn1erlicher Gott der Gewitter konnte er bei dem Bau, der im Winter 
vorgenommen ward, nicht zugegen sein; jetzt aber, da nur noch wenige 
Tage bis zum Sommer übrig sind, ist Thör in der Nähe und bezahlt 
mit seinem Hammer, dem Blit;stral, den Baulohn: das erste Gewitter 
sprengt das Wintereis. Vgl. Uhland, Mythus des Thör, S. 105 ff. 
So weit dürfen wir den Mythus in Gedanken auflösen; mehr ins 
Einzelne zu gehen, scheint mir nicht räthlich. Odins windfchnelles Ross 
von zwei Winden erzeugen laßen, ist eine ansprechende Dichtung, auch 
wenn man bei seinen acht Füßen nicht an die acht Hauptwinde der Wind- 
rofe denkt; die Verdoppelung der Zahl dient wohl nur, die Schnelligkeit 
des Rosses zu steigern. Was seine graue Farbe betrifft, so hat man 
auch sie von seiner Abstammung hergeleitet, indem man den siidlichen 
Glutwind schwarz sein ließ wie der Rauch, den Nordwind aber weiß 
wie der Schnee, den er daherjagt. Aber die graue Farbe steht hier viel- 
leicht nur für die weiße, zumal in der deutschen Ueberliefcrung Odin als 
,Schimmelreiter' zu erscheinen pflegt. Indem aber der sturmschnaubende 
Winterriese als Bläfer und zugleich als Baumeister aufgeführt wird, 
erinnern wir uns der Harfe Amphions, deren Klang das ßebenthorige 
Theben erbaute, was nach Schwarxz'a. a. O. gleicher Deutung unterliegt. 
Weitere Einbußen der Götter. 
M. The-ymskwida. Deutung. 
Mit dem Ablauf der goldenen Zeit und dem Verlust der Unschuld 
fällt wohl die Z(-ugung jener Ungethüme zusammen, von deren Fcßelung 
erst im nächsten Abschnitt die Rede sein kann; hier soll erst noch von an- 
dern Einb1is;en der Götter gehandelt werden, von welchen sich aber ergeben
        

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