Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen Mythologie mit Einschluß der nordischen
Person:
Simrock, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-391329
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-399223
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Johannisfeier. EptemaEher Prozession. Mühn. 
Stäts ist die Sonnenwende als Siegesfest behandelt worden, wie es in 
der Natur aller Feste lag, Freudensest zu sein. Man freute sich der erreichten 
Polhöhe des Lichts ohne mit Eulenspiegel zu weinen, weil es nun wieder 
bergab ging; dagegen zu Mitwinter war man weise genug, nur an das 
Wachsthum des wiedergeborenen Lichts zu denken. Die Johannisnacht, 
die kürzeste des Jahres, wo im hohen Norden die Sonne nicht unterging, 
wuste man durch das Festfeuer in den lichtesten Tag zu verwandeln und 
so den vollen Sieg des Lichts zugleich zu fördern und zu feiern. Auch 
von den Wasgaul)öhen glaubte man die Morgenröthe in Schwaben an- 
brechen zu sehen sobald das Abendroth in Lothringen erloschen war. Als 
Siegesfeste scheint die Feste dieser Zeit auch die triumphierende -Kirche ver- 
standen zu haben in der bekannten Epternacher Prozession, wo 
man Einen Schritt rückwärts aber -zweic.vorwärts thut. Der eine Schritt 
rückwärts bedeutet das Sträuben des Winters, dem es aus kurze Zeit gelingt, 
einen Theil der schon verlorenen -Herschaft wiederzugewinnen, was er aber 
mit desto größern Verlusten büßen muß; die zwei Schritte vorwärts den 
unvermeidlichen Sieg des Sommers, denn trog des einen zurückgethanen 
Schritts, der den Fortschritt zwar hemmt aber nicht hindert, wird das 
Ziel erreicht, so daß diese hüpset"ide und springende Schaustellung den 
überstandenen Kampf mit den Miirhten der F-insterniss und ihre gewisse 
nunentfchiedene Niederlage sehr lebendig veranfchaulicht. Hiemit hängt 
auch der Eigenname Lenz (mit dem Epitheton orn-ins -fauler Lenz) 
zusammen, der nicht von Lorenz noch von Landfrid herkommt, sondern 
zu einer eigenen noch unbesprochenen Classe mythologischer Namen ge- 
hört. Den Frühling, der ihr zu langsam vorschreitet, im Kampf wieder 
die winterlichen Nächte zu träge scheint, schilt die Ungeduld fauler Lenz, 
ein Name der dann auf läßige Leute übertragen wird. Daraus erklärt 
sich das Volkslied mit dem Kehrreim vom faulen Lenz und der Hans- 
sachsische Schwank I, 1338. 
Die mythischen Bezüge der Ernte"g eb rä uch e bewegen sich 
um den Aehrenbiischel, der unter dem Namen Nothhalm, Glücskorn, 
Verg6dendclsstruß, Oswol oder ,VageltSjen u. s. to. für Frau G6de, 
Wodan und fein Ross oder die Vögel des Himmels als ein Opfer stehen 
blieb. Mit Frc3 .Gode konnte der Gott-einst selbst gemeint sein. In 
einigen Gegenden sprang man über ,diese mit bunten Bändern wie eine 
Puppe ausgepuhte Garbe, der auch wohl das Vesperbrot der zuleYt fertig 
gewordenen Schnitterin als ein ferneres Opfer eingebunden ward. In 
Tirol darf der genannte Getreidebüschel nur mit der rechten Hand ge- 
bunden werden. Er bildet eine Figur, die beide Hände aus die Hüften 
stützt, die man dann mit Feldblumen schmückt, und mit Brot oder einer 
Nudel begabt. Dann stellen sich die Sihnitter im Kreis; umher oder
        

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