Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen Mythologie mit Einschluß der nordischen
Person:
Simrock, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-391329
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-398960
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St. Martin. St. Melus- 
ward, oder weil an seinem Tage die Schiffe im Hafen liegen musten. 
St. Clemens gilt für den Patron der Schiffer; von Ullers Schiff ist 
mehrfach die Rede gewesen, und Runencalender, die den ersten Winter- 
monat unter Ullers Schutz, stellen, fügen dessen Bogen zu dem Anker des 
Heiligen. Jn Deutschland galt hier und da schon Martinstag (11. Nov.) 
für Winteranfang; auch die galIicanische Kirche begann mit diesem Tage 
die Adventzeit (Binterim l.  167), ,St. Martin macht Feuer im Camin," 
das. Martinsmännchen hü"llte sich in Stroh und mit Martini beginnt ein 
neues Pachtjahr. Vgl. meine Martinslieder, Bonn bei Marcns 1846. 
Am Martinstage sahen wir oben die Fastenspeisen wieder hervortreten, 
während die christlichen Adventfeste erst mit dem ersten December anheben. 
Die Martinsfener sollten vielleicht die Wiedergeburt des jetzt verdunkelten 
Sonnenlichts verheiszen. Wie hernach der Advent, so scheint schon diese 
Zeit den Heiden eine Vorbereitung auf das"Julfest, wo die Sonne sich 
verjüngte und nun auch das natürliche Neujahr eintrat. 
Mit Nicolausabend beginnt eigentlich die Weihnachtszeit, die in ihrer 
weitesten Ausdehnung einen ganzen Monat (S. Der. bis 6. Januar) aus- 
fällt. Es ist das Vorfest der Winterfommerwende, in manchen katholischen 
Gegenden den Kindern erfehnter als Weihnachten selbst. St. Nikolaus 
(s. oben E. 142) kommt den artigen Kindern Backobst nnd Zuckerwerk 
in den ausgestellten Schuh zu streuen auf dem Schimmel geritten wie 
einst Wodan, in der Begleitung, welche wir dort besprochen haben; hier 
und da, wo er ohne Begleitung erscheint, wird der Name Hans Trupp 
ihm selber beigelegt, von dem stampfenden Auftreten seines Roffes. 
sDarnm findet man an Nicolauskirchen Hufeisen eingemauert: auch wird 
das -Festbrot in Form von Hufeisen gebacken. Wir kennen St.Niclas 
fchon aus S. 126 (S. 446) als Schifferheiligeu; aber auch die Heerden 
scheinen nach Lasicz unter seinem SchuYszn stehen; in der Schweiz ist er 
Patron der Sennenbrnderschaften und Alpgenoßen, die an feinem Fest- 
tage mit ausziehen: daraus folgert Rochh., daß er in eine heidnifcheVer- 
wandtschaft mit dein Gotte Fr(3 gebracht sei. Die Biicker verehren  ihn 
nur, weil er ihnen zu backen giebt. Daß er jeyt namentlich die Wünsche 
der Kinder zu erfüllen kommt, fließt fchon aus seiner christlichen Würde 
als Kinderbischof. Den Beruf die unartigen Kinder zu strafen, überläßt 
er seinen Begleitern Hans ,Trapp, Hans Muff oder Ruprecht. Aehnlich 
ist es, wenn in österreichischen Dörfern der Sunuenwendfeuermann 
auf dem golde Rössl den Kindern Gaben aufs Fenstergesims legt. 
In andern Gegenden erscheint der Schimmelreiter erst in den 
Zwölfter! wieder, nachdem er als Herbstpferd (S. 142 S.548) schon in 
den Martinsgebräuchen aufgetreten war. 
Das Julfest hat eine doppelte Seite: einmal ist es die dunIelste Zeit
        

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