Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen Mythologie mit Einschluß der nordischen
Person:
Simrock, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-391329
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-398829
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Stiepen, Pfeffern, Fitzen, Klopfen. 
eine Art großer Pfannkuchen, Kuhn NS. 406. 408; im Vogtland heißt 
der Mehlbrei Polse. Ja der Steiermark und in der Lausit3 ißt man Karpfen 
mit Mohnklößen, in Schlesien geräuchertes Schweinefleisch und Backobst, 
dass. g. schlesische Himmelreich. Ja Oberkärnthen werden von den 
Nudeln auch der Perchtl auf den Tisch gestellt, damit He davon abbeisze 
und koste: thut ße das, so verspricht man sich ein gutes Jahr; anderwärts 
z. B. in Schles1en, deckt man den Engeln den Tisch. In Schwaben heißen 
die Zwölften oder die ihnen vorausgehenden drei Adventsdonnerstage 
(Meier 457) ,Klöpflinsnächte' wegen der Krapfen und Kröppel, die da 
gebacken wurden, oder weil die jungen Bursche an Thüren und Fenster- 
läden zu klopfen und jene Krapfen (,Klopfet') zu heischen pflegten. Ja 
Baiern und Oesterreich wurden die Mädchen am Unschuldigen-Kindertag 
von den Burschen ,gefizt oder gepseffert', d. h. mit Wachholderruthen ge- 
strichen, wofür sie Pfefferkuchen oder sonst eine Gabe- zu entrichten hatten. 
Dieselbe Speise begegnet aber auch zu Fassnacht: ,Wer zu Fassnacht keine 
Krcppel backt, kann das ganze Jahr über nicht froh sein! Wolf Beitr. 228. 
,Knudeln und Slackermann', d. h. Klöße und Fische, sind Fassnachtsspeise, 
Woeste 23. Dabei begegnet auch jene Sitte des ,Fihens" wieder; 
nach Lyncker 237 wächst davon der Flachs hoch. Jn der Altmark jagt 
man einander mit Ruthen aus dem Bette und der ,Gestiepte' muß 
den ,Stieper' tractieren, Kahn NS. 369. Der Zusammenhang mit dem 
Pfingstlümmel S. 145 fällt von selber auf. Jn der Neumark ist es Fass- 
nachtsgebrauch, daß die Mägde am Morgen von den Knechten ,gestäupt" 
werden. Hier wird keiner Gabe noch der sonst zu Fassnachtgebräuchlichen 
Kost gedacht, vielmehr waschen die Knechte am Abend den Mägden die 
Füße mit Branntwein, wie es in der Altmark den Frauen geschieht, K. 370. 
Kaum kann man sich enthalten, dabei an Odin zu denken, welcher nach 
E. 90 die Rinda erst mit dem Zauberstab berührt und ihr dann als 
Wecha die Füße wäscht. In der Uckermark kommt das Stiepen der Mägde 
erst am Ostersonntag vor: dafür müssen sie den Knechten am Montag 
Fische und Kartoffeln geben, K. 370. Ja der Gegend von Werl und 
im Waldeckschen beißen die Knechte den Mägden und die Mägde den 
Knechten in die Zehen; dafür tractieren sie sich gegenseitig; daneben findet 
auch ein bloßes Abwischen der Schuhe Statt. Jn der Grafschaft Mark 
werden die Mannsleute am Fassnachtsmontag in die Zehen gebißen, am 
Dienstag die Frauleute: die Gebißenen bewirthen dafür mit warmem 
Weißbrot und geistigem Getränk. Ja Jserlohn bleibt es beim Ausziehen 
der Schuhe oder Stiefel, die dann ausgelöst werden müßen. J-n England 
rauben die Jungen am Ostersonntag den Mädchen die Schuhe; am Oster- 
montag kehrt es sich u . Kuhn WS. II, 128. Der Zusammenhang der 
Gebräuche ist vsfenbaräer heidnische Ursprung hier noch nicht deutlich.
        

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