Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen Mythologie mit Einschluß der nordischen
Person:
Simrock, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-391329
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-398769
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Umzüge. Pflug. Weber. 
nicht der Priester allein, nahm Theil daran, und auch dies; ist eine gottes- 
dienstliche Handlung. Den Wagen der Nerthus schirrt der Priester und 
begleitet die Göttin; das Volk aber schmückt sich und Haus und Dorf, 
sie festlich zu empfangen und fröhliche Tage von Krieg und"Arbeit zu 
rasten. In christlicher Zeit, wo solche Feste in Nachwirkung des Heiden- 
thums fortdauerten, nahm dieser Antheil des Volks eher zu als ab: es 
music nun auch die Rolle des Priesters übernehmen, vielleicht die ein- 
ziehenden Götter sichtbar vorstellen. So bei den Umzügcn mit dem heili- 
gen Pflug, wo statt des Priesters zuletzt höchstens noch ein Spielmanu 
auf dem Pfluge saß und pfiff, M. 242: wir wissen daß auch die Spiel- 
leute, wo sie als Boten austreten, mit dem alten priesterlichen Heroldsamt 
zusammenhängen. Das Schiff der Jsis hatten als Priester die Weber, 
in Zittau dieTuchmacher (Germ. V, 50) zu ziehen und mit allem Zeuge 
auszurüsten, wobei auch die alte Priesterschast der -Frauen sich wieder gel- 
tend machte. Doch auch hiebei blieb. es nicht: die Göttin selbst und die 
übrigen Götter, in deren Geleite sie fuhr und welche der Bericht Rudolfs 
mit lateinischen Namen ausführt, stellte man wohl auf dem Schiffe sicht- 
bar vor: ohne Zweifel sind die Vermummungen, die seitdem für den Car- 
naval charakteristisch blieben, daraus hervorgegangen. Aehnliche Aufzüge 
finden sich bei andern Festen, und wenn sich auch deren gottesdienstliche 
Bedeutung aus dem Bewustsein verlor, die Sitte hat sich bis auf diesen 
Tag erhalten. Den Zusammenhang des Bolksschauspiels mit den heid- 
nisihen Vorstellungen und Gebräuchen, der bei den alten Völkern offen 
zu Tage liegt, konnten wir auch bei unsern Hausgeistern gewahren; hier 
tritt er fast noch stärker hervor. Schon der Einzug der Nerthus, wie ihn 
Tacitus beschreibt, war eine Schaustellung, als deren symbolischen Sinn 
wir die erwachte Natur, die im Frühling aus der Gefangenschaft der 
Riesen befreite Erd1nutter kennen.- Das Volk zog ihrem Wagen, wie bei 
dem spätern Sommerempfang, der davon übrig ist, festlich entgegen: zu 
feierlicher Begriißuug wird es dabei an Spiel und Gesang nicht gefehlt 
haben. Mit Miillenhoff (de poesi ohorica p. 9) ist anzunehmen, daß 
es den heiligen Wagen in geordnetcm Zuge in die Mitte genommen 
und zu sich heim geführt, der weiter ziehenden Göttin das Geleit gegeben 
habe. Während ihres Verweilens wurden wohl Opfer dargebracht, wie 
bei später-n ähnlichen Volksfesten die Metzger als Opferpriester hervor- 
gehoben werden; sie vertreten den presbytck .lovi n1actans. Dem im 
Wagen nmfahrenden Bilde des gotischen Gottes sollte geopfert werden, 
wie es in Schweden bei dem Umzuge Freys mit seiner jungen schönen 
Priesterin für Fruchtbarkeit desJahres geschah. Diese Priesterin hieß des 
Gottes Gemahlin, und es versprach fruchtbare Zeit, wenn sie guter Hoff- 
nung wurde. Keinen andern Sinn als den Sieg des Sommers hatten
        

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