Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen Mythologie mit Einschluß der nordischen
Person:
Simrock, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-391329
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-398648
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Kuhhaut. Kreuzweg. Sieb. EkbichIiiß-I. 
dauernd angehörige Zeichen (Handgemal, Hausmarke). Gelegentlich kann 
so das Loofz auch über Leben nnd Tod entscheiden. Vgl. G. Homeyer 
über die Heimat nach a"ltd. Recht, Berlin 1852; Ders. über das ger- 
manische Looßen, Berl. 1854; Die Looßftäbchen Berl. 1868; Die Hans- 
nnd Hofmarke, Berl. 1870. 
Daß auch aus dem Opferkes;el geweis3agt wurde, beweist außer der 
S. 60 befprochenen Stelle der Hymiskw. und den Hexen im Mach. auch 
Yngl. c. 7, wo es von Odin heißt, er habe durch die Kunst, die Seid 
heiße, der Menschen Schicksal vorausgesehen. Verwandt, weil sie durch 
das Verdienst des Opsers geschieht, ist die Weißagung auf der Kuhhaut, 
vgl. Gr. Myth. 1069 Anh. XXXVI und GDS. 60-66; vgl. auch 
H. 60. 140. 143. Auch bei den Römern pflegten die, welche Orakel 
verlangten, auf den Fellen der geschlachteten Thiere zu liegen, vix-g." 
Aen. Vll, 86, die auch bei der römischen  und selbst noch 
bei Eingehung der freien Ehe in Gebrauch waren, serv. ad Aen. 1V, 
374 nnd Festus s. v. pel1is lau-Its. Häufig saß man auf der Kuhhaut 
bei Nacht auf Wegfcheiden und Kreuzweg en, die auch wohl ohne die 
Kuhhaut in heiligen Nächten zu Offeubarungeu verhalfen. 
Andere Arten von Weifzagungen beziehen sich nicht aus Erforschung 
der Zukunft; es soll der Urheber eines in der Vergangenheit liegenden 
Ereignisses z. B. eines Diebstahls ermittelt werden. Der Thäter ist dabei 
nicht ganz unbekannt; weil aber Beweise fehlen, so kommt es darauf 
an, ihn zum Geständniss zu bringen. Das Verfahren beruht darauf, 
daß unsere Gliedmaßen unmerkliche, oft sogar unwillkürliche, Vollstrecker 
unseres Willens find. So bei dem Siebdrehen, wo das Sieb in Be- 
wegung gerieth, sobald der Name des vermuthlichen Thäters genannt wurde, 
(Kuhn Germ. V1l, 435, vgl. Z. 1l7, Panzer l1, 297, MülIenh. 200), oder 
in gleichem Fall der Erbschliißel oder das Lotterholz sich umzuschwiugen 
begann, M. 1063, Miillenh. 88. 200, Lhucker 216. ,Andere Proben sind 
zugleich auf das böse Gen)if3en der Schuldigen berechnet, das ihn bei einer 
ganz einfachen, natürlichen Handlung, die der Schuldlofe ohne alles Arg 
verrichtet, in Unruhe und Verwirrung bringt." So bei dem BißenKäfe,. 
der dem Schuldigen im Halse stecken blieb. Anh.LX. RA. 932. Neben 
dem ErbsOliis3el gebraucht man die Erbsch1"ißel und den Erblöffel beim 
Bleigießen am Silvefterabend und in der Andreasnacht. 
Mit der Nekromantie, von der im vorigen Z. die Rede war, 
hängt der Glaube zusammen, daß Sterbeuden ein sicherer Blick in die 
Zukunft vergönnt sei: darum ist auch der Schwäne Sterbelied weisza- 
gend. Pyron1antie, Chiromantie, Gaftron1antie (M. 1065-7) muß ich 
in die Alterthümer verweisen; die Weifzagung ans dem Gansbein 
(Martinsl. XVI) bezieht M nur auf das Wetter; nach Vintler (Anh.
        

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