Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen Mythologie mit Einschluß der nordischen
Person:
Simrock, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-391329
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-398468
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Hof. Rosengärien. S.ub rosig. 
(Hof und Heiligthum) verbunden treffen, dürfen wir Ersteres für ein 
Gebäude nehmen, während hörg1- seinen alten Sinn des Waldheiligthums 
behält. Hof wäre demnach das älteste deutsche Wort für den erbauten 
Tempel, und doch weist auch dies; noch auf die Zeit zurück, wo die Gott- 
heit sich im Schatten heiliger Haine barg, und ihr Alle!-heiligstes nur ein 
dünner Seidenfaden hegte, wie wir ihn aus den beiden Rosengärten F. 125 
kennen, nnd wie im Norden die heiligen Schniire (vC-1)önd) F. 40 um 
dünne Haselstäbe gezogen wurden, RA. -182. 203. 8I0. Wenn in ver- 
schiedenen Gegenden der Volks-lust gewid1nete VersammlungspläYe den Namen 
Rosengärten führen, worauf sich Uhland Gar-m.V1,321 n. V1lI, 519 
gründet, so scheint dies; etwas Späteres, das erst aus dem grösser-n Rosen- 
gartenliede erwuchs. Aelter sind die durch Seidenfäden gehegten Vorhiise 
der Tempel und Gerichte, von deren Uuverletzlichkeit auch unsere Rosen- 
gartenlieder ausgehen. Wenn Sommerfeste nnd Osterfpiele in Rosen- 
gärten begangen wurden (Uhland a. a. O. Rochh.Gl. I, 200), so kann 
sich dies; nur aus alten Opferfesten entwickelt haben, die in Tempelk)öfen 
begangen wurden. Der Name Rosengarten zeigt, daß neben -Hof 
auch Garten (got. gar-de) das innere Heiligthum bezeichnet: der heilige 
Baum, der in der Mitte stand, konnte auch ein Rosenstock fein wie jener 
zu Hildesheim (DS. 457), der seit Ludwig dem Frommen noch jetzt 
grünt und blüht. Rosengarten finden sich wohl noch an Vorhöfen der 
Kirchen (Paradies), und in den Bildern zum Sachsenspiegel bezeichnet 
eine Rose das Urtheil. Germ. X, 147. R. A. 263. Ein bei-ühmtes 
Schwert heißt Rose, sub I-0s-; bedeutet bei Strafe des Schwertes wie 
beileibe bei Lebensstrafe; in einem Kinderspiel tritt eine Frau Rose 
auf, Mannhardt G. M. F. 285. 294, RochholzKindersp. 436. Wunden 
werden als Rosen bezeichnet, nnd so hießen Rosengärten uralte 
Kirchhöfe von dem mit Dornen nnterflochtenen Leichenb1-and H. 148. 
Rochh.Gl.1, 202. Liitolf 254. 576. Tempelhöfe nnd Gerichtshöfe 
fielen zusammen, als noch Priester Richter waren und der Hofgodi 
der Rechtspflege und dem Gottcsdienst zugleich vor-stand. Den Zusam- 
menhang der Opfer mit den nngebotenen Dingen sahen wir noch in 
später Zeit fortwirken. Das feierlich gehegte Gericht war stäts mit Opfern 
verbunden, vgl. S. 101 und S. 511. Als sich an der Stelle der 
alten. Waldtempel Kirchen erhoben, hieß Hof zuletzt nur noch die ge- 
weihte Erde, worin die Todten ruhten, wie diese auch früher nach Har- 
bardsl. 45: 
Du giebst den Gräbern zu guten Namen. 
Wenn du sie Wälder- Wohnungen nennst 
in Wäldern, ohne Zweifel heiligen, bestattet worden waren. Noch im 
8. Jahrh. ließ sich ein fchwerverwnndeter Sachse in einen heiligen Wald
        

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