Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen Mythologie mit Einschluß der nordischen
Person:
Simrock, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-391329
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-398389
506 Bieten. Bitten. Beten. Opfer. F. 134. 
angeflehten Gottheit, sie alle drücken ans, das; der Mensch sich dem höhern 
Wesen als ein Besiegter, als wehrloses Opfer darbietet und untern1irst." 
Bitten und beten werden vielfach verwechselt; noch Psefsel sagt: den gan- 
zen Tag bat er sein Paternoster her. Wörterb.1l, 53. Beide Wörter 
aber kommen von bieten offer:-e. In der alten Sprache und noch im 
ndrh. Dialekt heißt es ,s ich beten", als wäre sich bieten, sich opfern ge- 
meint, gerade wie das mit Bitten in seinem alten Sinne zusammenhän- 
gende 1)adi Bette (leetisternium) zugleich Altar bedeutet, Myth. 27. 59. 
Wörterl). I, 1722. Von dem Entblößen des Hauptes machten nur die 
Priester eine Ausnahme, wenigstens ist von den gotischen bezeugt, das; 
sie das Haupt mit der Tinte be-deckten. 
Der Heide schaute beim Beten gegen Norden, weil dahin auch das 
deutsche Alterthum die Wohnung der.Götter, den Götterberg, setzte, und 
diese selber gegen Süden-sahen, vgl. Z. 63. Die gegen Osten betcnden 
Christen nahmen daher einen nördlichen SiZ des Teufels an, und bei 
seiner Abschwörung musten sich die Neubekehrten mit gerunzelter Stirne 
und zorniger Gebärde, dem Gegensatz jener, die das Gebet begleitete, 
nordwärts kehren. Für die Vorstellung, zu welcher Sigrdr. 3 Anlaß 
giebt, als hätten die Deutschen sitzend gebetet, könnten deutsche Gräber 
sprechen, welche die Todten in siYender Stellung zeigen. LiebrechtGerm. 
X, 108 meint zwar, diese Erklärung sei nicht so ansprechend als jene 
M. 1220 angeführte, wonach diese anffallende Behandlung der todten 
Leiber den Menschen in dieselbe Lage versehen solle, die er vor der Ge- 
burt im Schooße -der Mutter angenommen habe. Aber hatten die Alten 
so gestatte Vorstellungen über die Lage des Embryo? Vgl. Germ. XVI, 
222. Nach Maurer Bekehrung Il betete man liegend nach Norden ge- 
richtet und hielt, auch wenn kein Bildniss da war, die Hände bein1 Beten 
vor die Augen, wie vom Glanz"e der Gottheit geblendet.  
Birken. Bitten. Beten. Opfer. 
Opfer. 
134. 1. Im Allgemeinen. 
Wenn der Menfkh im Gebet sich selber darbringt, so fügt er im 
Opfer (neibunge Graff H, 1015) einen Theil seiner Habe hinzu, 
und erkennt damit an, daß er das Ganze der Gnade der Götter ver- 
dankt. Dieser weiß er sich bediirstig im Glück wie im Unglück, denn das 
Gliick erscheint ihm als ein neuer Beweis der göttlichen Gnade, die ihm 
ein Dankopfer auch ferner erhalten soll; das Unglück schreibt er dem 
Zorne der Götter zu, den er durch ein Siihnopfer von sich abzuwenden
        

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