Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen Mythologie mit Einschluß der nordischen
Person:
Simrock, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-391329
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-397940
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"Vögel. Maus und Eber. 
dem Munde des Sterbenden als Taube oder als Rabe entfliegt, oder als 
Maus, als Schlänglein dem Schlasenden entschlüpft, so findet keine Ver- 
Wandlung des Leibes Statt. Ob die Lilie, die dem Grab des Mädchens 
entwächst, und die nur der Geliebte brechen soll, die Rebe und die Rose, 
die sich über Tristans und Jsoldens Grabe verschlingen, als ihre Seelen 
zu verstehen sind, könnte bezweifelt werden; aber jedenfalls ist dies; 
keine Verwandlung, denn der verwesende Leib ist dabei unbetheiligt. 
Auch aus dem Glauben an Seelenwanderung scheint dies; nicht herzu- 
riihren, die Seele wird zuweilen nur auf kurze Zeit in einer neuen Ge-  
statt sichtbar; darin zu verharren ist ihr schwerlich bestimmt. Jn der 
alten Zeit konnte man sich nichts Ueberfinnliches denken; darum muften 
auch die Seelen, musten auch Geister und Gespenster leibliche Gestalt 
annehmen. Vgl. jedoch Rochholz II, 393 und Solarlied 53, wo es von 
den urweltlichen Oualorten heißt: 
Verfengte Vögel, die Seelen waren,  
Flogen wie Fliegen umher. 
JnNachstehendem folgen wir meist einer der vergleichenden Mytho- 
logie angehörigen Schrift Dr. Grohmanns (Apollo Smintheus nnd die 
Bedeutung der Mäuse. Pra-g 18(52), indem wir die Punkte hervorheben, die 
in der deutschen gegründet scheinen. Wie Kuhn nachgewiesen hat, dachte 
man sich den Blitz in ganz ähnlicher Weise-entstanden wie man sich selbst 
auf Erden, das Feuer erzeugte S. 144, nämlich durch Drehung eines 
Stabes,in der Nabe des Sonnenrades. Dieser Vorgang wurde auch als 
Zeugungsact des Feuergottes aufgefaßt. Aus der Mischung dieser beiden 
Vorstellungen, der Eutziindung des himmlischen Feuers durch einen umge- 
schwungenen Stab und des irdischen .Zeugungsactes, entstand der Glaube, 
daß bei jener Zengung im Gewitter"der himmlische Funke der Seele ge- 
boren würde, den dann der Kinder bringende Storch oder Schwan Z. 90 
aus der Unterwelt auf die Erde brächte. Von dieser Vlit;geburt der 
Seelen mögen freilich im heutigen Volksglanben wenig Spuren mehr haften; 
aber aus frühem Jahrh. ist der Glaubebezeugt, das; die Mäuse im Ge- 
witter geboren würden (Grohm. 7), und schon oben sahen wir die Seele 
als Maus erscheinen.  
Maus und Eber sind sehr ähnlich gestaltet und in bairischen Hexen- 
aeten wird oft des Mäuse- oder Fackel-(Ferkel)machens erwähnt. Myth. 
1044. Dabei bemerkt Grimm, diese Plage könne mit vollem Fug dem 
verheerenden Hagelwetter zur Seite gestellt werden, das den Hexen gleich- 
falls Schuld gegeben wurde. Als das Charakteristische der so zusammen- 
gestellten Eber und Mäuse wird nun ihr blinkender, gleichsam bligen- 
der Zahn betrachtet und der Satz daran geknüpft, der Blitz sei als der 
leuchtende Zahn des Thieres, des Ebers oder der Maus gedacht und
        

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