Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen Mythologie mit Einschluß der nordischen
Person:
Simrock, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-391329
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-397230
Hildabertha. 
Bektha die Spinne!-in. 
391 
Diesem doppelten Wesen der Göttin entsprechend wird sie in sränkischen 
nnd schwiibischen Gegenden Hildabertha genannt, worin schon Myth. 
355 eine Verbindung der Namen Holda und Bertha sah. Es kann aber 
auch Weiße und Srhwärze, Schönheit und Häßliehteit an gesonderte Wesen 
vertheilt werden, und so geschieht es KM. 135, ,vou der weißen und 
sEl)warzen Braut', vgl. Das goldene Spinnrad in Wenzigs Westslav. Mär- 
cheuschay S. 45. Die weiße wird von der schwarzen verdrängt, die warm 
in des Königs Arm sitzt, während jene als weiße Ente durch den 
Gof3enstein in die Küche geschwommen kommt um die Federn, am Heerd- 
fener des bethörten Gemahls zu wärmen. Diesem Märchen ist die Sage 
von Bertha der Spinuerin, der sagenhaften Mutter Karls des Gro- 
szcn, auf das Närhste verwandt. Wir besitzen sie in verschiedenen Fassun- 
gen, die älteste in der Bremer Chronik, Meibom or.-iptt. Il.p. 20-21, 
welcher sich das nordfranzösisehe Gedicht des Addnes le Roi anschlies3t; 
jünger ist die Darstellung der Weihenstephauer Chronik; F. Wolf hat noch 
die No(-in-s de invie1-no verglichen. Vgl. Meine Bertha die Spinnerin, 
Frankfurt 1855, wo auch der wesentliche Inhalt der Sage erzählt ist. Auch 
in Jtalien war sie durch die Reali di Franoia bekannt, und auf sie be- 
zieht man das Sprichwort non L) piu il temp0 ehe Bette. i-ils-via-. Da- 
mit ist aber die goldene Zeit gemeint, und so zeigt sich schon daran die 
mythische Natur dieser spinnendenBertha. Ein anderes Erkennungszeichen 
ist ihr großer Fuß (Berte as grans pi6s, Berhte mit; dem fuoze): 
es ist der Schwanenfuß der Freyja, der von ihrer Walkiirennatur her- 
rührt, Z. 107. Ja dem so eben besprochenen KM. wandelt sich die weiße 
Braut in eine Ente: der kleinste dieser Waf3ervögel ist an die Stelle 
des grösten getreten. In der Wielandsage, wie sie das Gedicht von 
Friedrich von Schwaben zeigt, sind aus den Schwänen der Wölundar- 
kwida gar Tauben geworden, F. 129. Die Verwandlung in den Schwan 
meidet die Volissage nicht selten; so ist der Schwan auf dem See bei 
Köpenick eine Prinzessin, Kahn NS. 81, und die Enzjnngfrau (Baader 
266) pflegt sich in einen Schwan zu wandeln, ja Musäus hatte fast die 
ganze Wielandsfage vernommen. Weil es aber von Freyja selbst nicht 
bekannt ist, daß sie gleich den Walküren, die doch aus ihr erwachsen End, 
Scl)wanengewand anlegte, so beziehe ich mich auf die Sage von der 
Schwanenkirche bei Carden an der Mosel, Zeitschr. für Mhth. I, 305, 
wo die Jungfrau Maria, die auch sonst an die Stelle der deutschen Fromm 
zu treten pflegt, Schwanengestalt annimmt, um einen in die Gefangen- 
i(k)ast der Ungläubigen gerathenen Ritter über Land und Meer in die 
Heimat zu tragen, ganz wie sonst Wuotan seine Giinstlinge -im Mantel 
Oder ans dem Ross Z. 66 durch die Luft heimträgt. 
Ja der Sage von Bertha, der kerlingischen Ahnemnutter, ist von ihrer
        

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