Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen Mythologie mit Einschluß der nordischen
Person:
Simrock, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-391329
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-397138
Wagen, Pflug un"o Schiff. 
Spiklaholla. 
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was uns noch übrig ist, fasse ich mit Ber1us,u1ng der Worte Weinholds 
(Deutsche Frauen im MA. S. 35) zusammen: 
Die Göttin ist eine sehr hehre Frau, eine sorgsame und strenge Len- 
kerin großen Haus- und Hofwesens. Sie zeigt sich den Menschen am 
öftersten in den Zwölften. Da hält sie, wie einst Nerthus, ihren Umzng 
dnr(h das Land, und wo sie naht, ist den Feldern Segen für das kiinf- 
tige Jahr gewiss. Darum wird ihr auch bei der Ernte ein Dankopfer 
gebracht: ein Halmbiischel wird nicht abgemäht, sondern unter gewissen 
Gebräuchen der Frau G(5de u. s. w. (Vergc')dend6lsstrüf3) geweiht, wie er 
aucl) wohl für Wc3ds Pferd stehen bleibt. Bei dem Zwiilftennmzuge sieht 
sie nach, ob das Ackergeräth an gehöriger Stelle sich befinde, und wehe 
dem Knechte, der naihläs3ig war. Am aufmerksamsten ist sie für den Flachs- 
bau und das Spinnen. Sie tritt in die Spinnstuben oder schaut durch 
das Fenster und wirft eine Zahl Spulen hinein, die bei Strafe abgespon- 
nen werden sollen, wie alles das in andern Sagen auch von der ihr ent- 
sprechenden männlichen Gottheit berichtet wird. Fteiszige Spinnerinnen be- 
schenkt sie mit schönem Fta(hse, faulen besudelt sie den Rocken. Zu Weih- 
nac)ten und wieder zu Fassnacht muß Alles abgesponnen sein nnd dann 
ruht sie von ihren Wanderungen. Ihren Umzug hält sie auf Wagen oder 
Pflug; an ihre Stelle tritt auch, für Binnenlande seltsam genug, ein Schiff. 
In Börners Sagen aus dem Orlagau 113 fährt Perchte mit einem Pflug 
übers Waßer in einem Kahn. Hier fehlt nur noch der Wagen, der bei 
Gertrnd nicht vermisst wurde. Aber S. 176. 185 erscheint auch er. Ne- 
ben dem Pflug ist noch die Radwelle durch den Namen ,Radeperchte' auf 
ils bezogen, Börner 157. Wir sehen das alIumfaßende Wesen dieser hohen 
Göttin hell heraustreten: Wagen, Pflug und Schiff, im Begriff ver- 
wandt und selbst im Wort zusammenfallend (vgl. ,Pflugschar' und GDS. 
56) find Symbole der Einen großen mütterlichen Gottheit. Unverheira- 
thete Mädchen werden dabei gezwungen, den Pflug der Göttin zu ziehen, 
eine Strafe der Ehelosigkeit, denn die mütterliche Gottheit begünstigte die 
Ehe. Vgl. S. 372. Jhr Schiff ziehen die Weber, einst die Priester der 
Gottheit, welche die Webekunst gelehrt habe. Als Spinnerin erscheint 
auch sie selbst wie wir den Rossen schon bei der Frigg fanden. Zugleich 
Erscheinen Ho"lda und Bei-chta als Hegerinnen des Kindersegens. Die schle- 
iilChsSpillaholla (Spille - Spindel) nimmt die Kinder mit sich in ihren 
Brunnen, aus dem sie auch kommen, und führt sie neugeboren kinderloseu 
Eltern zu. So werden zu Köln die Kinder aus Kuniberts Pütz ge- 
holt: dort aber sehen sie um die Mutter Gottes herum, welche ihnen Brei 
giebt und mit ihnen spielt. Maria ist hier wie so oft an die Stelle der 
deutschen Urgöttin getreten, der Hellia oder Holda, die man auch in der 
Tiefe der Flut goldgliinzende Hallen bewohnen läßt, wo sie umgeben fis,-t
        

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