Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen Mythologie mit Einschluß der nordischen
Person:
Simrock, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-391329
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-396918
Walkürcn. Schildmädcl)en. Mist. Summa. 
35O 
107. Walkiiren (Walaehurims).  
Am Nächsten verwandt sind den Narnen die Walküren ; auch sie wer- 
den Wöl. 24 ,Odins Namen' genannt, ja eine der sechse, welche hier auf- 
gezählt werden, die Skuld, führt den Namen der jüngsten Norn. Als 
siebente muß man wohl Freyja hinzudenken, das Haupt der Walküren 
und ihre Quelle. Grimnism. 36 nennt ihrer dreizehn, und hier ist 
wohl Hilde, in der Hei auch unter den Nornen auftritt, der Frehja gleich. 
,Odin', heißt es D. 36, ,sendet sie zu jedem Kampf. Sie wählen die 
Fallenden nnd walten des Stegs' Daher ihr Name, der ihr Amt -pleo- 
nastisch ausdrückt; doch bedeutet Wal (stmges) den Inbegriff der in der  
Schlacht FalIenden. Daneben sind sie Schenkmädchen Odins und der Ein- 
herier: sie sollen in Walhall dienen, das Trinken bringen, das Tischzeug 
und die Aelschalen verwahren. Als Tadtenwählerinnen, weibliche Psycho- 
pampen, wie als himmlische Schenkmädehen sind sie Vervielfältiguugen der 
Freyja, der wir Z. 103 das gleiche Geschäft obliegen sahen. Aber auch 
zu Odin stehen sie in nahe1n Verhältniss: sie erscheinen als Vollstreckerinnen 
"seines Willens. Durch sie greift er in das irdische Heldenleben ein und 
wie der Gott selbst die Helden anregt, spornt und zu sieh emparzieht in 
seine himmlische Halle, um seine Macht durch sie für den künftigen Welt- 
kampf zu stärken, wie er nach den Seelen der Tapfern dürstet, so scheint 
er sich zu solchem Zweck auch der Walkiiren zu bedienen: sie entzünden 
den F;)eldengeist und ziehen ihn empor auch durch die zärtlichen Verhält- 
nisse, die sie mit den berühmtesten Helden eingehen, so daß wir an Goethes 
Wort erinnert werden:  
Das ewig Weibliche  
Zieht uns hinan. 
Zuweilen jedoch wissen sie, den Nornen ähnlich, ihre Selbständigkeit zu 
wahren nnd Odins Willen entgegen zu handeln. Den Namen stehen sie 
auch darin gleich, daß He das Geschick wirken, aber mehr in Bezug aus 
die Schlacht, während es die Namen im Allgemeinen bestimmen. Auch 
iT11d sie den Göttern untergeordnet, während die Narnen das Geschick len- 
ken, dem selbst die Götter gehorchen. Schlacht ist all ihr Sinnen: Wal- 
kiiren trachten, heißt es in dem gehein1nissvallen Eingang Hrasnagaldrs; 
III der Wölundarkwida sehen wir wonach: sie trachten und sehnen sich 
"Ukh Kampf, sie wollen Urlag treiben, in der Schlacht das Schicksal 
entscheiden.. Darum heißen sie auch Waln1ädchen, Schildmädchen, 
Helnunädchen, weil sie unter Helm und Schild zur Walstatt ziehen. Eine 
der Walkiiren heißt Mist; der Name klingt uns nicht fein; aber noch 
bedeutet mist englisch Nebel: Mist ist die Wolke, und auf Wolkenrofsen 
f(hweben die Walküren über dem Schlaihtfelde, und Thau träust von 
den Mähneu ihrer Rasse in tiefe Thäler, Hagel auf hohe Bäume: ,das
        

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