Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen Mythologie mit Einschluß der nordischen
Person:
Simrock, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-391329
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-393488
IS 
YMir. 
Ginnungagaps Niflheim gebildet: da war es dunkel und kalt; am 
siidlichen Ende aber Muspelheim, die Flammen1velt, die war heiß und 
licht. Jn Nislheim war ein Brunnen, Hwergelmir, der rauschende 
Kessel, mit Namen., Aus ihm ergossen sich zwölf Ströme, Eliwagar 
(die fremden Wogen) genannt, und erfüllten die Leere Ginnungagaps. 
Als das Wasser dieser urweltlichen Ströme so weit von seinem Ursprnnge 
kam, daß die in ihnen enthaltene Wärme sich verfliichtigte, ward es in 
Eis verwandelt. Und da dies; Eis stille stand und stockte, da fiel der 
Dunst darüber, der von der Wärme kam, und gefror zu Eis und so schob 
sich eine Eislage über die andere bis in Ginnungagap. Die Seite von 
Ginnnngagap, welche nach Norden gerichtet ist, füllte sich mit einem 
schweren Haufen Eis und Schnee, und darin herrschte Sturm und Un- 
gewitter; aber der südlichc Theil von Ginnungagap ward milde von den 
Feuerfunken, die aus Muspelheim heriiberflogen. So wie die Kälte von 
Niflheim kam und alles Ungestüm, so war die Seite, die nach Muspel- 
heim sah, warm und licht, und Ginnungagap dort"so lau wie windlose 
Luft, und als die Glut dem Reif begegnete, also daß er schmolz, da 
erhielten die Tropfen Leben und es entstand ein Menschengebild,. das 
Ymir genannt ward; aber die Hrimthursen (Frostriesen) nennen ihn 
Oergelmir. 
Ymir (von ymja stkide1-e, rauschen, tosen, wie Oergelmir, der rau- 
schende Lehm) ist der gährende Urstoff, die Gesamtheit der noch unge- 
schiedenen Elemente nnd Naturkräfte, die in ihrer Unordnung durchein- 
ander rauschen und fluten, also dasselbe, was der Grieche sich unter 
Chaos dachte, nur personifieiert. Das Wort Chaos aber entspricht 
mehr unserm Ginnungagap. 
Aus dieser Erzählung ergiebt sieh: 
1-. Der Grundstoff, aus dem die Welt gebildet wurde, kam aus 
dem Brunnen Hwergelmir, der in Niflheim stand, der nördlichen Nebel- 
weit. Er ist mithin die Urquelle alles Seins, denn aus ihm erfüllte 
sieh die unendliche Leere des Weltraums Ginnungagap. Wie wir so 
Hwergelmir und Niflheim als die Urquelle alles Seins erkennen, so 
werden wir späterhin (g. 19) erfahren, daß dahin auch alles Sein 
zurückkehrt. 
2. Da es zwölf Ströme sind, welche sich aus Hwergelmir ergießen, 
so lernen wir das Wasser als den Grundstoff erkennen, aus dem Himmel 
und Erde gebildet sind. Es war aber nicht von jeher vorhanden. 
Z. Dieses Waßer ergoß sich in der Form des Eises in den Ab- 
grund Ginnungagap und durch die Zusammemvirkung von Hitze und, 
Kälte entstand hier das erste Leben, der urweltliche Riese- Ymir. Ent- 
weder also ,durch die Kraft dessen, der die HiHe sandte', wie es D. 5."
        

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