Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen Mythologie mit Einschluß der nordischen
Person:
Simrock, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-391329
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-396432
Weiberbosheit. Fex1erhöl!e. 
811 
wird. Daß Weiber boshaster seien als der Teufel selbst, ist ein Gedanke, 
den im Mitte"lalter Volksmärchen nnd Novellen sehr wiYig zu behandeln 
verstanden; als er aber auf Loki Anwendung fand, muste dieser schon 
tief gesunken sein. Ueber Lokis Herzeßen vgl. S. 242. 
Neben der Was;erhölle lassen sich auch Spuren einer deutschen 
Feuerhölle nachweisen: sie liegen in Geirrödh, sowohl in dem E. 84 
besprochenen als in jenem andern, der nach Grimm?-mal den Odin zwi- 
schen zwei Feuer setz,te, wo er acht Nächte s1Zen muste, womit acht 
Wiutermouate gemeint sind. Daß beide znsacnmensallen, ist schon S. 297 
angedeutet. Nach Oegisdr. 23 war Loki selber acht Winter unter der 
Erde: S. 95 sahen wir, daß auch darunter aOt Wintermonate ge- 
.meint sind. Aber hier bedeutete er die wohlthätige Wärme, während 
in Geirröds Wesen nur Feindseliges liegt. Gleichwohl wird auch er 
wie der andere Unterweltsgott Utgardloki sich aus-Lokis Wesen entwickelt 
haben. 
Göttinnen und Warten. 
96. .HeI. 
Von der Unterwelt sahen wir Z. 6. 19. 89 alles Sein ausströ- 
1nen, aber auch wieder dahin zurückfließen. Die Göttin der Unterwclt 
müste demnach die erhabenste Göttin sein: eine Göttin des Todes nicht 
bloß, auch des Lebens. Von diesen beiden Seiten erscheint- aber keine 
der deutschen Gottheiten mehr, die sieh aus ihrem Begriff entwickelt haben: 
bald ist nur die eine, bald die andere allein hervorgehoben. J-n Berchta und 
Holda, in Nerthus, Freyja und Frigg, ja fast in allen deutschen Göttinnen 
sehen wir nur einzelne Seiten und Erscheinungen dargestellt, die zusam- 
mengenommen einst das Wesen der geheimnissvollen wirkenden Erdgöttin 
aus1na(hten, der großen Lebensmutter, die Segen und Fruchtbarkeit spen- 
dend selbst als Todesgöttin nicht verderblich wirkt, indem sie die Seelen 
der Verstorbenen in ihren mütterlichen Schoosz zurücknimmt. Der Name 
dieser erhabenen Göttin der Unierwelt würde heutzutage Hölle heissen. Das 
erschreckende Wort hat aber nur noch einen räumlichen Begriff, keinen per- 
sönlichen mehr, dazu den allerunfre1mdlichsten, wie schon die nord. I-let, gen. 
lIetjar, tiefe Entwiirdigung betroffen hatte. Das gotische H-i1ja, alth. 
I-1eltia, tnhd. Helle klingen minder furchtbar; aber ihre alte Würde und 
Heiligkeit laßen auch sie nicht ahnen, nnd wir müs;ens1e gleich mitHolda
        

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