Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen Mythologie mit Einschluß der nordischen
Person:
Simrock, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-391329
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-396295
Ukler. 
Holler. 
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Srhneeberge dahin. Der GegensaY von Sommer nnd Winter ist auch 
darin angedeutet, das; Baldur Wegta1nskw. 4vUllers Freund heißt. Bal- 
dur ist hier der sommerliche Gott, Uller der winterliche: sie find Freunde, 
weil aus ihnen das Jahr besteht, das im Norden nur Sommer nnd 
Winter hat. Doch wird sich sogleich noch eine andere Erklärung dar- 
bieten. Als Wintergott ist Uller der Sohn der Sif, der Erdgöttin, aber 
Thc3rs Stiefsohn, weil er vor ihrer Vermählnng mit Th6r, im Winter, 
wo die Gewitter schweigen, erzeugt ist, D. 3l. Sein Vater wird nicht 
genannt; es- bedurfte auch darüber keiner Meldung, wenn er selbst, wie 
sich aus Saxo schließen läßt, der winterliche Odin ist. Ausdrücklich läßt 
Saxo den Ollerus von den Göttern mit Odins Namen nennen, nnd so 
fällt er mit jenem Mitothin zusammen, der schon früher einmal (Müller 
J, 42) den Odin vertrieben und seine Stelle eingenommen hat. Da aber 
Uller als ein selbständiges, von Odin verschiedenes Wesen gefaßt wird, 
das im Winter seine Stelle vertrat, so war das nächste, das; man ihn 
überhaupt als Odins Stellvertreter im Himmel behandelte, so oft er selber 
nicht anwesend war. An Saxos Bericht erinnert darum Grimn. 42, wo 
Odin von Geirrödh zwischen zwei Feuer geseyt, an-Brust: 
Ullers Huld hat und aller Götter 
Wer zuerst die Lohe löscht. 
Denn hier sehen wir ihn, während Odin auf Erden, ja in der Unterwelt 
weilt, -an der Spitze der Götter. Die Unterwelt ist auch sonst dem Winter, 
dem Tod der Natur, gleichgestellt. Geirrödh mag indes ursprünglich der- 
selbe Geirrödh sein, den wir Z. 84 als Unterweltsgott kennen lernten: 
mithin befindet sich Odin acht Nächte d. h. acht Monate lang in der 
Unterwelt, während Uller im Himmel für ihn eintritt. Nun aber sagt 
Hamconius Frisja p. 77: 
Plato Seel et F"risiis (:u1tus quane1oque videtu1- 
Atque Holler c1ictus vu1ga1-i nomine, tu-nquam 
1nt"erni c1ominus. (Wolf Beitr. I, 204.) 
Daruach wird umgekehrt Uller  im Sommer in der Unterwclt sein, 
tvic Odin im Winter; aber nur als seine andere Seite. Das erklärt uns 
auch seine Freundschaft mit Baldur, denn mit ihm traf er in der Unter- 
Welt zusammen, wo Baldur ursprünglich alljährlich in der Zeit des abnehmen- 
den Lichtes verkehrte; gerade in diese fällt aber die heis3este Sonnenglut. Die 
Nan1ensfor1n Holler erklärt sich aus einem Spirantenwechsel: wie aus"Woden 
Hoden, aus- W-3d H-od (Robin H-nd) wird H. 77 (vgs. K:-hu WS. 
96), so sehen wir aus Wuller Wollcr (1vic sein deutscher Name ge- 
lautet haben wird, oder auch nur Wall Wall) mit Vertaufchung von W 
und H Holler hervorgehen. Holler erinnert an Holla, die auch Wulle 
hieß. Hieraus erklärt sich vielleicht zugleich das in den Namen W.odaus
        

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