Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen Mythologie mit Einschluß der nordischen
Person:
Simrock, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-391329
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-395990
Klein Spiet. Herzog Ernst. 
Donat. 
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Hermel. Dieser hat es noch ganz mit den Riesen zu thun, die aber hier 
zu Heiden (Zwergen) geworden sind; von ihnen wird er auch in dies 
Hölle geschickt, wie Th6r von Oegir dem Felswohner Hym. 2 zu Hymir. 
In Malegis (Volksbiicher Xll) ist Klein Spiet mit seinem metallencn 
Kolben, der in seine Hand zurückkehrt (S. 237) um so unverkennbarer 
Donat, als er es am Liebsten mit den Riesen zu schaffen hat. Sein 
Name scheint die Geschwindigkeit des Blix3ftrals auszudrücken. 
Ja der Hyniiskwida glaube irh den Ursprung der Sage von Herzog 
Ernst und seinem Freund Weszel zu erkennen. Wes-,el, ein Schwert- 
name, deute ich ans Tyr als Schwertgott; er begleitet den Herzog wie 
Tyr den Th6r auf seiner Reise, deren Ziel auch hier die Unterwelt, der 
Höhle Berg ist. Aus dem hohlen Berge bringt Herzog Ernst den Waisen 
mit, der ihm den Kaiser versöhnt, der ihn ausgesandt hat; so bringt" 
Th6r den Kessel aus der Unterwelt den in Oegirs Halle versammelten 
Göttern heim. Nähere Ausführung muß ich mir vorbehalten. Die 
Historisiernng wird um so weniger täuschen, als sie in so verschiedener 
Weise versucht worden ist. Vgl. Uhland V1l, 567--588. " 
Die Frage, was es bedeuten könne, daß der Gott des Gewitters in 
die Unterwelt hinabsteige, sind wir eigentlich zu beantworten nicht ver- 
pflichtet: wir können sie der vergleichenden Mythologie überweisen. Hat 
die griechische Mythologie eine Antwort auf die Frage, was es bedeute, 
wenn Hercnles in den Hades hinabsteigt und den Cerberus heraufholt? 
Wenn Th6r aus einem Gewittergott zum Gott der Cultur und der 
menschlichen Thätigkeit in Bezwingung der äußern Natur geworden ist, 
so läßt steh von dieser seiner letzten Bedeutung aus der Mythus nicht 
begreifen, denn wie viel auch menschlicher Fleiß vermöge, die Unterwelt 
kann er nieht bezwingen, die Schrecken des Todes nicht iiberwältigen. 
Der Verfaszer der Erzählung von Utgardloki E. 83 hat es nicht einmal 
vermocht, die Begebenheit so darznstelIen, das; uns Th6r wirklich als 
Skrt)mirs Sieger, Utgardlokis und seiner Gefährten Bezwinger erschiene: 
es ist nur ein succes d7est.ime, den er davon trägt, wenn znleYt Ut- 
gardloki seiner Kraft Lobspriiche zollt nnd ihm die tiefen Thäler zeigt, die 
sein Hammer in die Felsen geschlagen hat. Stärker tritt sein Sieg in 
den beiden andern mythischen Erzählungen von The-is Hinabsteigen in 
die Unterwelt hervor und wenn das Räthfel unserer Frage gelöst werden 
l0II, müssen wir von dem Mythus von Hymir ausgehen. Bei allen An- 
deutungen der Untertvelt sehen wir doch hier Thör mit dem Winter kämpfen: 
der somn1erliche Gott des Gewitters bezwingt den Winterriesen. Wir haben 
aber schon oft erfahren wie Jahresmythen zu Mythen von Tod und Leben 
erweitert werden. Gehen wir hievon aus, so erklärt sich Alles, die auf- 
geworfene Frage löst sich von selbst, und die vergleichende Mythologie
        

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