Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen Mythologie mit Einschluß der nordischen
Person:
Simrock, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-391329
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-395822
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Donov. 
Anfch1"-U3- 
den Apfelschusz vom Haupte des Kindes aber unerklärt lassen muß. Das 
vermag man eben nur auf eulturgeschichtlichem Wege. Wie man noch 
jeht von dem Gesellen, der das Meisterrecht erlangen will, ein sog. Meister- 
stück begehrt, so kommen in deutschen nnd anßerdeutschen Märchen nnd 
Sagen Probestücke allerlei Ziinfte vor, wobei selbst die holde Diebes- 
kunst KHM. 192 nicht leer ausgeht; KHM. 129 werden mehre derselben 
in Vergleich gestellt. Hier haben wir es nun mit dem Meisterstück 
der Schiiyenkunst zu thun, wie ähnliche Saxo W, 101 (vgl. Uhl. VII, 
223) von dem SchÜYen An (Ano sagitt-at-ins : Arm b0gsveigir) er- 
zählt, der noch als AnschtiH fortlebt; aber wenn dieser mit dem ersten 
Pfeil nur des Gegners Sehne entzweischnitt, den zweiten Pfeil zwischen 
dessen Fingern hindurchjagte, mit dein dritten ihm den Pfeil aus der Hand 
schoß, so bewährteTells Meisterschuß den Mann zugleich mit dem SchiiYen. 
Die sichere Hand ist es, woraus es im Schieszen ankommt; den aber 
müssen alle Schützen für ihren Meister anerkennen, dem diese.sichere Hand 
auch dann nicht fehlt, wenn das Herz Ungestüm schlägt, weil das Leben 
des eigenen Kindes auf dem Spiele steht. Darum läßt unser Dichter 
selbst Geszlern gestehen: 
Es war ein Meisterschuß, ich muß ihn loben. 
Die FMs, die den Palnatoki zum Dänen machen, legen ihm einen 
ganz andern -Meisterschuß bei als den mit dem Apfel: sein Pfeil flog dem 
Harald, an dem er den Mord seines Bruders zu rächen hatte, hinten hin- 
ein nnd vorn wieder heraus, allerdings auch ein künstlicher Schuß, aber dem, 
welchen Saxo aus der Heldensage an die Stelle set,-,te, nicht zu vergleichen. 
Der erste, von dem jener Meisterschuß erzählt wird, ist -Qrendels 
Vater Eigil; daß er aber aus diesen erst von seinem Sohne übertragen 
ward, zeigt schon dessen Name, vgl. S. 249 oben. Von Oerwandil 
wis3en wir auch, das; er der Fruchtkeim ist, der hervor schies3t, was 
dann erst Veranlassung gab, ihn zum Schützen zu machen. Was Eigil 
betrifft, so ergeben die Trilogicen H. 125 seinen Bezug auf das Was;er 
und Grimm leitet M. 930 den Namen des Ztverges Engel im Siegfrieds- 
liede von ex - ahd. ouwa, augia (Jnsel) ab. Diesem scheint Eigil 
identisch: wir haben also keinen Grund einen Himmelsgott in ihm 
zu suchen. 
Man hat neuerdings Teils Schuß aus dem vierzehnten Jahrhundert 
in das dreizehnte zu rücken versucht: Die Tellsage.zn dem Jahre 1230 
von Dr. H. v. Liebenau, Aar-an 1864, wodurch er älter scheinen könnte 
als Saxo und die Wiltinasage. Allein im Wesentlichen haben schon die 
Alten jenen Meisterschuß gekannt, Grimm Myth. 358; Eustathius nennt 
aber nur den Sarpedon als das Kind, dem ein Ring von der Brust, 
ohne es zu verletzen, geschossen wurde. Auch ein esthnisches Märchen in
        

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