Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen Mythologie mit Einschluß der nordischen
Person:
Simrock, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-391329
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-393372
Gernmnische Myfholox1ie. 
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Bedürfnisse nicht kennt, denn Morgenthau ist all sein Mal. Hier 1stdtc 
sittliche Umbildnng am Stärksten hcrvorgehoben, denn die .-(IU9EW!Uc 
Entsittlichnng war es, welche den Untergang der Welt h9l"bSIgEfUhkk hatte; 
aber jeZt hat der Weltbrand mit der Sünde das Uebel aus der. Welt 
getilgt und die selige Unschuld der Götter und Menschen kehrt' z1JkUCk Um 
nicht wieder zu verschwinden. Es ist eine vierfache Ml)tk)SUV SV1sk)1EbI1Ug- 
die hier nachgewiesen ist, für die Mythologie so wichtig Als M LaUtV."- 
schiebung sitt die Sprache. Auch die griechifthE M!)kk)DIV9TE keimt Mk 
Bei-schiebungen; die indischen Mt)tl)en stehen meist noch auf den untern 
Stufen und was dort noch Welt war ist in der deutschen Mythologie 
schon zur Unterwelt geworden. 
3.- Nordische und deutsche Mytbvlvgke- 
Eine deutsche Mythologie, die nach dem eigentlichen Sinne des 
Worts auf Darstellung und Deutung der Mythen ausgeht, darf sich auf 
die jetzigen engen Grenzen Deutschlands nicht beschränken, sie muß das 
Wort in dem weitern Sinne nehmen, in welchem es alle germanischen 
Völker begreift. Tacitus befaßt unter Germanien noch Skandiuavien mit, 
und ingäwonische Völker lebten zu beiden Seiten der Ostsee in näherer 
Gemeinschaft als niederdeutsche mit hochdeutschen Stiin1men; erst die friihere 
Einführung des Christenthums. in Deutschland, während Skandinavien noch 
heidnisch blieb, löste unser Volk von dem nordischen: das heidnische Erbe 
ist beiden gemein. Wir sind aber oft in dem Falle, das Nordische in 
den Vordergrund stellen zu müßen, wenn sich in Deutschland vor dem 
Ehristenthume nur Nachklänge geborgen haben. Vor Jakob Grimms deut- 
scher Mythologie, die das Wort deutsch in einem engern Sinne nahm, durfte 
noch Klippen sagen, es gebe keine deutsche Mythologie, sondern nur eine 
nordische. Von den deutschen Göttern End uns meist nur die Namen 
 überliefert; ihr Leben und ihre Schicksale, also auch ihre Mythen, bleiben 
uns verborgen, und oft könnte kaum ihre Bedeutung aus deutschen Quellen 
allein erkannt werden. Jakob Grimm ist der Schöpfer einer im engern 
Sinne deutschen Mythologie geworden; er hat sie aber ans zerbröckelten 
Triinnnern -aufbauen miiszen, nach Grund und Aufrisz der standinavischeu. 
Indem er es unter-nah.nt, Alles, was man vom deutschen Heidenthu1ne 
noch wissen kann, zu sannneln und darzustellen mit Ausschließung des 
vollständigen Systems der nordischen Mythologie, sah er sich gleichtoohl 
genöthigt, das Nordische zur Erklärung des Einheimischen herbeizuziehen. 
Das Ergebniss seiner n1iihevollen Forschung und eines seltenen Tiesblicls 
war, daß beide Cnlte wie beide Glaubensst)steme im Wesentlichen über- 
einstinnnen, im Einzelnen auseinandergehen, und dies; hat sich durch die 
bald darauf erfolgte Auffindung der s. g. Merseburger Zauberlieder auf
        

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