Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen Mythologie mit Einschluß der nordischen
Person:
Simrock, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-391329
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-395322
200 Wuotan. Eber. Hackelbärend. J. 73. 
hier einzugreifen. Stärker ist der Eber als Gegenstand der nächtlichen 
Jagd begründet; nur durch ihn ist vielleicht der Hirsch in die Sage ge- 
kommen, weil er wie der Eber einen Bezug auf Freyr (Fr6) hat, den 
wir schon einmal an Odins Stelle treten sahen. Das Reh vertritt wohl 
nur den Hirsch. Alten Grund hat auch die Menschenlende, da wir sowohl 
mythische als menschliche Frauen von dem wilden Jäger verfolgt sehen. 
So bleiben uns als Gegenstände der Jagd nur wenige zu erwägen: 
 Den Eber jagen schon die Einherier, die ihn täglich schlachten, 
wir haben ihn oben als ein Bild der Sonne gefaßt; auch Freyrs gold- 
borstiger Eber kann die Sonne mit ihren Stralen bedeuten. Die Sickingische 
Ebernburg bei Kreuznach hat nach Rheinld. 238 ihren Namen davon, 
daß- der Burgherr bei einer Belagerung sich der Kriegslist bediente, den 
letzten Eber täglich zum Schlachten niederwerfen zu lassen bis der durch 
das Sthauspiel getäusrhte Feind abzog, weil er die Beste auszuhungern 
verzweifelte (vgl. Müllenhoff S. 79). Ueber dem Thor des gleichnamigen 
Dörschens ist der Eberkops in Stein eingemauert; am Landgerichtshause 
zu Büding-en aber ein echter Eberlops, und hier wird dieselbe Sage erzählt, 
die sonst an Hackelbärend (Hackelmann, Hackelberg oder Bärends) haftet. 
Wie die Namen schwanken, so geht auch die Sage in vielfachen Gestalten 
um. Das Wesentlichste ist etwa, daß dem leidenschastlichen Waidmann 
träumte, er kän1pfe mit einem furchtbaren ,Kämpen" und unterliege ihm. 
Bei der Jagd am andern Morgen wird ein mächtiger Keller erlegt, sei 
es von Hackelbärend selbst oder weil ihn der Traum gewarnt hatte, von 
seinem Jagdgeßnde. Des Sieges froh oder der überstandenen Gefahr stößt 
er mit dem Fuß nach dem Eber und ruft: ,Nun hau, wenn du kannst!' 
Da dringt ihm der scharfe Zahn des Thiers durch den Fuß, die Wunde 
schwillt, der Stiefel muß vom Bein geschnitten werden; aber die Hülfe 
kommt zu spät, ein schneller Tod nimmt ihn dahin. Das ist mehr als 
Sage, es ist Mythus; freilich in Odins Mythus soweit wir ihn kennen 
nicht mehr nachweisbar. Und doch deutet selbst der Name, der altsächs. 
11akolbe.rand lauten würde (altn. höka1l Mantel, Riistung), auf den Gott, 
den wir schon in der Briinne wie im Mantel kennen gelernt haben. Dazu 
kommt, das; bei Kuhn WS. 40() von Wode selbst erzählt wird was sonst 
von Haclelberg und daß auch Hackelberg wie sonst Wuotan in seinen Ver- 
jiingungen im Berge fiht, auf einem Schimmel (nach Kahn NS. 182), 
ein Schwert in der Hand, wie auch König Dan sein Pferd gesattelt bei 
sich haben wollte (Mitllenhoff 505); ferner daß er alle sieben Jahre 
einmal herunterkon1men soll (Kuhn NS. 236), weshalb er auch der Welt- 
jäger heißt, d. h. der das Weltall umjagende (Kuhn 309. 503. Meter l, 
1I4), was mit andern siebenjährigen Fristen Erweiterung der s ie- 
ben Wintermonate sein mag, woraus sich die heben Jahre, welche die
        

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