Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen Mythologie mit Einschluß der nordischen
Person:
Simrock, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-391329
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-394837
Götter. 
Die einzelnen 
Allgemeine-J. 
54. Polytheismns. 
Von den Geschicken der Welt und der Götter gehen wir zu den 
Mythen über, welche einzelne Gottheiten betreffen, deren Gestalten wir 
zugleich näher ins Auge saßen. Auf Götter und göttlich verehrte Wesen 
beschränkt sich aber die Götter-lehre, wenngleich auch an andern Dingen 
Rath dem Volksglauben Göttliches und Uebernatürliches hängt. Nach 
E- 33 nahm Frigg Eide von Feuer und Wasser, Eisen und allen Erzen, 
Steinen und Erden, von Bäumen, Krankheiten und Giften, dazu von 
allen vierfüßigen Thieren, Vögeln und Würmern, daß sie Baldurs schonen 
wollten, und denselben Dingen geboten die Asen, Baldurn aus Hels 
Gewalt zu weinen. 
Noch ein christlicher Dichter, Herzog Heinrich von Breslau (M. S. 
1, 3b), klagt den umgebenden natürlichen Dingen sein Leid und sie 
erbieten sich zur Hülfe: 
Ich klage dir, Mai, ich kluge dir, Sommerwonne, 
Ich klage dir, lichte Haide breit, - 
Ich kluge dir, augenstechender Klee,  
Jch kluge dir, grüner Wald, ich kluge dir, Sonne, 
Ich llage dir, Venus, sehnlich Leid, 
Daß mir die Liebe thut so weh u. f. w. 
Aber wenn es aurh der"heidnischen Anschauung nicht geniigte, des 
Einen Gottes Herrlichkeit an viele göttliche Wesen zu verschwenden, wenn 
ihr die ganze Natur belebt und begeistigt war  
Wir sind gewohnt,  
Wo es auch thront, 
 In Sonn und Mond 
Hinzubeten, es lohnt. Goethes Faust 1l, 151. 
 so wuste sie diese Belebung und Begeistigung dort) zu zahllos wim- 
melnden Gestalten auszuprägen und jede mit Na1nen und Charakter aus- 
sUftatteu. Götterloser Naturdienst , Verehrung der Elemente selbst, nicht
        

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