Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen Mythologie mit Einschluß der nordischen
Person:
Simrock, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-391329
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-394826
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AlIgemeiner Krieg. Birkenbaunt. 
weltentvölkernde Krieg losbrechen. Nach der schleswigschen Sage wird die 
Niederlage so groß, daß von dem Heere des weißen Königs-, der den 
schwarzen besiegen soll, die Uebriggebliebenen von Einer Trommel es;en 
können und der König selbst wird nach der Schlacht an einer Trommel 
seine Malzeit halten. So soll Holger danske (Myth. 313) zurückkehren, 
wenn nicht mehr Männer in Dänemark sein werden als ihrer Raum aus 
einer Tonne haben. Nach der neuesten schweizerischen Fassung wird die 
Schlacht so mörderisch sein, daß die Pferde bis ans Gefieser im Blute 
stehen; die Sieger werden einander fragen, ob sie in einem oder zwei 
Wirthshäusern einkehren wollen: da werden sie in einem einzigen Platz 
genug haben. Rochholz l, 61. Nach der wesifäl. Sage (Kuhn 205) wird 
man bis an die Eulen im Blute waten; die Schlacht selbst soll beim 
Birkenbaum in der Gegend von Werle stattfinden: das ist der Name 
einer Haide in der Nähe des Dorfes Bremen; wahrscheinlich hat dort einst 
ein solcher Baum gestanden. Gleichwohl wird man auf die alte Esche 
zuriickgewiesen, denn Neocorus, indem er von der Linde zu Siiderheistede 
spricht, die ihres Gleichen nicht gehabt, fügt doch hinzu: außer in Schilsche 
in Westfalen. Dies; Schilsche, sagt Kahn 209, ist der auch noch heute in 
der Volkssprache contrahierte Name für Schildesche bei Bielefeld. Gemeint 
ist also wohl die Esche, an welche der Kaiser seinen Schild hängen soll. 
Den weißen König, der dem schwarzen (Surtur) entgegensteht, deuten 
Grimm und Mitllenhoff ausFreyr; doch scheint der Gegensatz des Schwar- 
zen, der im Gedächtnis;-; geblieben war, diese Bezeichnung gewirkt zu haben; 
sein weißes Pferd weist eher ans Odin, während Freyr meist fahrend erscheint. 
An den ,witten God"glaubt man auch in den N,iederlanden. Hier ist es nur 
ein einziger Gott, der zur legten Schlacht reitet; badische Sagen (Baader 
67. 142) wissen von zwölf bergentriickten Männern, also der vollen Zahl 
der Asen: sie kommen, wenn Deutschland in der grösten Noth ist, hervor 
und befreien es von seinen Feinden. Sollten nicht schon die sieben schla- 
senden Männer, deren Paulus Diaconus l, -I gedenkt, hieher gehören? 
Man hat den im Berge schlafenden Kaiser für Baldur oder Allvater 
ausgegeben. Aber AlIvater schläft nikht, er waltet, Hrasn. I, und Baldur 
kämpft die legte Schlacht nicht mit: er erwartet in Frieden ihren Ausgang, 
um dann von seinem neuen Reiche Besih zu ergreifen. Die Raben, die 
um den Berg fliegen, die Helden, die mit dem Kaiser zugleich entrückt 
sind, unzählige mit ihren Pferden, die Rüstkammer, die von Waffen starrt, 
das Horn, das neben dem Kaiser hängt, und in das er stoßen soll seine 
Gefährten zu erwecken, endlich sein Auftreten im.Kampfe selbst, in blanker 
Rüstung auf dem weißen Rossi, alles zeigt uns, daß hier von Wodan 
noch Erinnerungen haften. 
        

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