Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen Mythologie mit Einschluß der nordischen
Person:
Simrock, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-391329
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-394606
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Widar. 
Z. 5245 angespielt wird. Vgl. die Anm. 48. Ein andermal (Baader 
141) vertreibt Schuhwechsel Gespenster; wie auch Brot gegen einen 
 feurigen Mann geworfen vor diesem schiiht. Baader 224. Sieht man 
irgendwo Geld brennen, so muß man einen Schuh darauf werfen, dann 
kann man es auch bei Tage heben. Kuhns, Märk. Aberglaube 67. 
Myth. 1072.  
Die guten Werke sind Manchem ein Anstoß; aber ich verstehe sie als 
Werke, die aus gutem Herzen kommen, wie sie auch in den Märchen die 
dankbaren Thiere zu belohnen wißen. Das Wesen muß erscheinen, sagt 
Hegel, und ein gutes Herz, das sich nie durch Werke bethätigt, ist eben 
so wenig werth als ein s. g. gutes Werk, das anderer Quelle als gutem 
Herzen entspringt. Das kann ein Kind begreifen, und so hoffe ich, 
alberner confessioneller Zank werde mir bei Erklärung eines tieffinnigen 
heidnischen My"thus nicht mehr entgegenstehen. 
Die Aufforderung, die Lederftreifen wegzuwerfen, welche den großen 
Schuh bilden helfen, mit welchem Widar den Göttern die Unsterblichkeit 
erkämpft, enthält hiennch eine Mahnung an die Menschen, sich dieser Un- 
sterblichkeit durch gute Werke theilhaftig zu machen. Wir würden mit 
dieser Ansicht durchzudringen hoffen dürfen, wenn nicht Widars Wesen und 
die Bedeutung feines Kampfes erst noch der Erläuterung bedürften. Be- 
kanntlich hat dieser Gott so verschiedene Auffassungen erfahren, daß er 
schon deswegen der schweigsacne As  29) heißen dürfte, denn er schwieg 
uns, wir wusten ihn nicht zu deuten. .Daß er die Waßerhose nicht sein 
kann, wie -Finn Magnusen wollte, ergiebt sich schon daraus, daß ein sol- 
ches verderbliches Ungethüm wohl zu "den Riesen, nicht zu den Göttern 
zählen könnte; was darauf leitete, seine Einbeinigkeit, wird aus dem 
großen Schuh, der einen seiner Füße bekleidet, ohne Grund gefolgert. 
.Daru1n hätte Widar auch nicht mit Guntharc, der im Waltharius im 
Kampfe mit diesem den Schenkel einbüßt, verglichen werden sollen. Pe- 
tersen nimmt ihn für die Unvergänglichkeit der Natur, vorgestellt in.eine1-n 
undurchdringlichen Wald, wo nie eine Axt klang, denn im Urwald 
herscht Schweigen- 
Diese Deutung hat viel Einnehmendes und trifft in ihrem ersten 
Theile nahe zum Ziel; nur der Urwald wird ganz aus dem Spiele bleiben 
miißen. Borgestellt unter dem Bilde eines jungen Anwuchses würde es 
riOtiger heißen. Unsere Ansicht haben wir so eben angedeutet; sie zu 
begründen müssen wir auf Fenrirs Bedeutung zurückgehen, denn in seinem 
Kampf mit ihm ist der Sitz der Lehre. Wir haben ihn aber schon als 
die Vernichtung selber, als ein Symbol des hereinbrechenden, unvermeid- 
lichen Untergangs aufgefaßt. Jndem ihn nun Widar bekämpft und be- 
Regt, kann dieser nichts anders als die Erneuerung sein, die Wieder-
        

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