Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen Mythologie mit Einschluß der nordischen
Person:
Simrock, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-391329
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-394388
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Verdämmerung der Götter. 
Ordnung, welche alle bösen Gelüste in Bande srhlägt. Würde freilich 
einst die Macht der Sitte und des Rechts gebrochen, träte eine Verwir- 
rung, eine Versinsterung aller Begriffe ein, d. h. verdän1merten die Götter, 
dann bräche das Böse sich los von seiner Kette, dann führe der Rachetag 
(stuatago) über die Völker nnd dem Leben der Menschen auf Erden 
wiirde ein Ziel geseyt. Schon jeht riittelt er oft an seinen Ketten und 
versucht sie zu zerreißen: dann entsteht das Erdbeben, denn er erschüttert 
die Grundfesten der Welt und erschrerkt die Götter, die selbst als diese 
Feßeln, die höpt und band (Skaldsk. -54. Myth. 23), die Gewähr der 
sittlichen Weltordnung gedacht sind. Erdbeben werden auch bei andern 
Völkern von der Wuth gefeßelter Riesen und Dämonen hergeleitet. In 
dem deutschen Mythus würde-sich aber die Feßelung des Bösen doppelt zu 
spiegeln scheinen, einmal in Loki, einmal in dem Wolfe Fenrir, wenn wir 
nicht wüsten, daß in Loki das noch durch sich selbst gefeszelte Böse, in 
Fenrir der nur durch die Fürsorge der Götter hingehaltene Untergang 
dargestellt ist. Dagegen könnte man beiden Mythen den Vorwurf der 
1lnvolZlständigkeit machen, weil keiner von beiden besagt, wodurch die ge- 
feßelten Ungeheuer sich endlich ihrer Feszeln entledigen würden. Allein 
sowohl von Fenrir als von Loki heißt es D. 34 und 50, also lägen sie 
bis zur Götterdämmerung, und wir haben so eben schon angedeutet, was 
unter der Verdämmerung der Götter zu verstehen sei; der Beweis kann 
erst H. 43 geführt werden. 
So stark Lokis sittliche Bedeutung in diesem Mythus hervorgehoben 
wird, so ist doch weder das -Feuer als die Grundlage seines Wesens, noch 
die Ableitung seines Namens von dem leuchtenden Element vergessen. Der 
Larhs ist durch seinen Namen als der glänzende Fisch bezeichnet und das 
auf dem Berge liegende Haus mit vier.Tt)üren erinnert an den Thurm 
des Lynkens, dessen Namen wir von derselben Wurzel abgeleitet sahen wie 
-Lokis. Wenn er sich in Fischgestalt verbirgt, so spricht dieß nicht dafür, 
daß er ein Waßergott sei: die Mythen, welche das Feuer sich unterm 
Wasser bergen laszen, wollen nur die allgemeine Verbreitung der beleben- 
den Wärme veranschanlichen. Als erster Beleg stehe hier das schöne 
Faröische Volkslied von Odin, Hönir und Loki (Lokka tit,ttur), das 
uns fast ein Eddalied erseht, weshalb wir uns noch öfter darauf be- 
rufen werden. 
I. 
Butter und Riese spielten lang, 
. Der Bauer verlor, der Riese gewann. 
 Keh1-reini- 
Was soll die Harfe mir in der Hand, 
Wenn kein .Kühner mir folgt ins andre Land?
        

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