Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen Mythologie mit Einschluß der nordischen
Person:
Simrock, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-391329
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-393252
Mit Erforschung unserer Alterthiln1cr ist es nicht schon gethan: sie wollen 
Neuerthtlmer werden; das Erbe unserer Väter will zum Nutzen der Enkel ver- 
wandt sein, die versunkenen endlich erl"osten Schätze unserer Vorzeit dürfen wir 
keiner zweiten Verwünschung anhein1sallen lassen: wir mltßen sie ummünzen oder 
doch vom Rost befreit von Neuem in Umlauf setzen. Den vaterländischen Göttern 
gEUUgt es nicht, wenn ihre Bildsäulen in Museen aufgestellt werden, sie wollen 
in unsern Herzen ihre Auferstehung feiern. (Aus der Einleitung zur Edda.) 
Mit dem Hervorziehen unserer alten Poesie ist es nicht gethan. Aus dem 
SChUkk der Jahrhunderte in den Staub der Bibliotheken, das ist ein Schritt aus 
einer Vergessenheit in die andere. Dem Ziele führt er nicht merklich näher. 
Dieses ZEIT ist das Herz der Nation. Wenn da einst unsere alte Dichtung ihre 
Stätte wiedcrftndet,dar1n ist Dornröschen aus dem Zauberfchlaf erweckt, dann 
iCk)IHlIk DE! Mitte Baum auf dem Walferselde wieder aus, dann hängt der alte 
Kaiser HAVE Skhild an den grünen Ast, dann wird die Schlacht geschlagen, die 
WITH Dis Wie Unserer Verlornen Prooinzen an Deutschland zurücIbringt. (Aus 
der Vorrede zum Beowuls.) - ,  
Wie die WEIkEfOhe aus dem Brunnen der Urd, der ältesten Norne, begoßen 
Wird- damit ihre Seiten nicht dorten und faulen, so muß das Volksleben aus 
Dem VVkUe de! VEkAUl1genheit ersrischt werden, aus dem Strome der Ucberliese- 
Ums- Mk MS der Vorzeit her-slies3t. Die Geschichte muß dem Volk, wenn auch 
W! ZU GOikUik der Sage, gegenwärtig bleiben, wenn es nicht vor der Zeit altem 
soll. S. 4() u.  
 Vor Allem gilt das von unserer Mythologie, denn auch die Götterlehre, 
des! Alte GU?kEYViMfk Ist Poesie, die älteste und erhabenste PoeHe der Völker, und 
wie die früheste Quelle der unsern, die Edda, Urgroßn1utter bedeutet, die Urgroß- 
1nutter aller deutschen Sage .und Dichtung, so ist in der deutschen Mythologie 
eine Poesie niedergelegt, die in allen deutschen Herzen anklingt, weil sie das lau- 
tete Gold unseres eigenen Sinnes ist, unser bestes und ältestes Erbe, das wir 
nicht verwahrlofen sollen. Darum muste der von Grimm gehäufte Schatz mh- 
thologischen Wißens gen1ehrt, durch Deutung geistig.verwerthet und aus den offenen 
Markt der Nation gebracht werden. Die Nation hat fiel) nicht unerkenntlich er- 
wiesen, da, nachdem 1864 die zweite Auslage erschienen war, schon 1869 feine 
dritte, 1874 eine vierte und jetzt eine sllnste verfandt werden durfte.
        

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