Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen Mythologie mit Einschluß der nordischen
Person:
Simrock, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-391329
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-394204
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Mimring und Min1ung. Baldurs Quelle. 
Das Zauberschwert, in das sich der Mistelzweig bei Saxo gewan- 
delt hat, scheint in der Gestalt der Hildensage, welche D. 65 enthält, 
zu dem Zwergenschwerte Dainsleif geworden, das Blut kosten muß 
ehe es in seine Scheide zuriickkehrt. Der von,Zwergen gefchmiedeten 
Sc:hwerter, die zugleich mit einem Schuh von Helden gewonnen wer- 
den, giebt es aber noch viel, in der Dietrichssage wie in der von Sieg- 
fried: in dieser stimmt zugleich der Name des Schmiedes Mime, von dem 
Sicgfried in der Wiltinas. sein Schwert gewinnt, und von dem ein an- 
deres, in der Heldensage berühmte?-, Wittichs Schwert Mimring, den Na- 
men hat. Mimring scheint zwischen dem Riesen Mimir, von dem Mimirs. 
Quell benannt ist, und jenem Schmied Mime in der Mitte zu stehen, 
wie er auch als Waldmann (si1va1-um saty1-us) zwischen Riesen und 
Zwergen schwankt. Das; er das Schwert geschntiedet habe, wird von. 
Mimring nicht ausdrücklich berichtet, doch ergiebt es die Vergleichung mit 
dem Schmiede Mime, und Riesen sowohl wie Zwerge sahen wir schon 
als Schmiede. In Mimrings fchahmehrendem Armring erkennt man 
leicht den Ring Draupnir, zugleich aber auch jenen Ring Andwara- 
naut, der nach dem andern Sigurdsliede und D. 62 das Niflungen- 
gold mehrte und im Nibelungenliede durch die Wiinfchelruthe vertreten 
wird, die bei den1 Schatz lag und seine Unerfchöpflichkeit bedingte. Indem 
Mimring ans Mimir gebildet ist und sein Wunderring mit Dranpnir zu- 
sammenfällt, sehen wir uns gezwungen, aus Mimirs Erwägung vorweg- 
zunehmen, daß sein Haupt nach Sigrdrifumâl 13. 14 gleichfalls ein Schatz- 
träufler (Heiddraupnir) war. Th6rs Hammer hat sich in eine Keule 
verwandelt; daß ihr die Handhabe abgeschlagen wird, ist derselbe Zug, 
der sich in D. 61 wiederfindet, wo der Stiel des Hammers schon in 
der Schmiede der Zwerge, die dieses Kleinod nebst andern schaffen, 
zu kurz geräth. Bei Baldurs Quelle fehlt der Hufschlag, sonst fände 
sich hier der Ursprung einer später auf Karl d. Gr. iibertragenen nnd 
noch oft (Wolf Beitr. 138) wiederkehrenden Sage. Vgl. auch KM. 107 
und Eh. Petersen Hufeisen und Rosstrappen. 1865. Aus. andere Ueberein- 
stimn1ungen der Erzählung mit Baldurs Mythus hat Uhland hingewiesen. 
Das; Baldur die Nanna im Bade sieht, deutet er daraus, daß die be- 
thaute Blüthe, die sich eben dem Lichte erschließt, am reizendsten ist, und 
wenn der von Baldur in die Flucht geschlagene Hother sich in abgele- 
gener,Wildniss verbirgt, so bezieht er dieß auf den Sieg des sonnuerlichen 
Lichtes, vor dem der dunkle Hother nur noch im tiefsten Waldesschatten 
eine Zuflucht findet. Wenn Baldur, nachdem er Nanna gesehen hat, sich 
in Liebe verzehrt, so erinnert er an Frehr, der auf Hlidskialf Gerda ge- 
sehen hatte. Aber bei diesem war das Siechthum die Strafe seiner Ver- 
meßenheit; so ist hier auch Baldnrs Unschuld befleckt, als der Nanna im
        

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