Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen Mythologie mit Einschluß der nordischen
Person:
Simrock, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-391329
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-394193
Hagen. 
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Brunnen bewahrt noch seinen Nan1en. Dieser siegreichen Schlacht folgt 
noch eine zweite; aber auch damit ist der Kampf noch nicht zu Balders 
Vortheil entsc)ieden., Hother birgt sich in einen tiefen, einsamen Wald, 
wo er in einer Höhle dieselben Waldfrauen trifft, die ihn schon einmal 
berathen nnd beschenkt haben. Sie verheißen ihm Sieg, wenn er den 
Genuß einer wunderbaren Speise, die von andern weisen Frauen zu Bal- 
ders Stärkung bereitet wird, sich selber verschafse. Er beginnt nun den 
Krieg aufs Neue; die Nacht trennt die Heere. Gegen die dritte Nachtwache 
1nnherirrend, gewahrt -Hother vor Balders Lage die Jungfrauen, die sein 
Wundermal bereiten. Durch Gesang und Citherspiel gewinnt er ihre 
Gunst, die aus dem Geifer dreier Schlangen bereitete Speise und einen 
siegverleihenden Gürtel. Aus der Heimkchr begegnet er dem Balder und 
verwundet ihn mit dem Schwerte Mimrings. Zwar läßt er sich am 
folgenden Tage noch in einer Sänfte in die Schlacht tragen, um nicht 
km düstern Zelte zu sterben; aber in der Nacht erscheint ihm die Todes- 
göttin und am dritten Tage stirbt er an seiner Wunde. Er wird im 
Hügel beigesetzt; der Leichenbrand auf dem Schiffe ist auf den Sachsen- 
könig Gelder übertragen. Daß Odin, um für seinen Sohn Rache zu 
erlangen, nun mit der Rinda einen andern Sohn erzeugt, der den Hother 
erschlägt, ist schon erwähnt worden. 
Die Grundzüge des Mythus sind in dieser Erzählung unschwer wie- 
der zu erkennen. Für die Umbildung der Göttersage in Heldeufage ist 
sie höchst lehrreich; daß der liederknndige Hother in der Hilden- und Gu- 
drunsage erst zu Heorrenda,t dann zu Horand, in der deutschen Siegfried- 
sUgE zu dem einäugigen Hagen wird, haben schon Andere bemerkt. Wie 
Hagen den Siegfried mit dem Sper durchbohrt, so Hother den Balderus 
mit dem an die Stelle des Mistelzweigs tretenden Zauberschwert. Aber 
M! fchlagender wird die Aehnlichkeit, wenn wir die eddifche Erzählung 
J. 83 vergleichen, wo Loki von Frigg zu erfahren sucht, wie Baldur 
getödtet werden könne. In der besten Meinung plaudert Frigg aus, was 
zU Baldnrs Verderben führt! genau so gelingt es Hagen von Kriemhild 
ans-zusorschen, woSiegsried verwundbar sei. Andere hesten sich daran, 
d0ß Hagen"einäugig ist, nicht blind wie Hödhr: darum vergleichen sie 
ihn dem einängigen Odin. Jch4wilI aber selbst anführen, was sich für 
diese Vergleichung noch aufbringen läßt. Hagen  (p8-1iu1"US) 
und Odin sticht die Brynhild mit dem Srhlafdorn. Odin läßt sich aller- 
dings in einigen Mythen als Todesgott faßen, nnd wir wissen, daß Winter 
Und Tod entsprechende Mythenstufen sind. Hödr als Wintergott fällt so 
gtwissermaszen mit Odin als Todesgott zusammen, nnd so mögen sie sich 
EIN) il! Hödhr berühren, und gleichfalls darin, daß Hödur (alth. H-zciu) 
iThVt1 dem Namen nach Kriegt-gott ist wie Odin.
        

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