Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Elemente der Kunstthätigkeit
Person:
Grueber, Bernhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-387987
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-388954
Licht 
Und 
Farbe. 
63 
punkt verläßt und mit physischen Farben operirt. Nach seiner 
oben mitgetheilten richtigen Formel nehmen Noth und Grün in 
der achromatischen Tonleiter die gleiche Stufe ein und stehen in 
der Mitte zwischen Weiß und Schwarz, sind also Halbschatteu 
und zugleich die gegenseitigen Complemente. In gleicher Stärke 
zusannneufließend oder gegeneinanderwirkend, geben zwei Halb: 
schatten kein Licht und neutralisiren sich zwei gleichtiefe Farben. 
Dieses erkennend fügt Schopenhauer bei:  
,,Es ergibt sich von selbst, daß wenn diese Farben schwarz; 
lich waren, d. h. ein Theil der Retina unzerseht und zugleich 
inactiv blieb, diese Finsternis; durch jene Vereinigung nicht auf: 
gehoben wird, also Grau übrigbleibt. Waren aber die Farben 
in voller Energie, d. h. die Thätigkeit der Retina ohne Ueber: 
rest getheilt, oder waren sie blaß, d. h. war der unzerseHte 
Ueberrest derselben activ, so muß zufolge unserer Theorie, welche 
zwei entgegengeselzte Farben als gegenseitige Ergänzungen zur 
vollen Thätigkeit der Retina, aus deren Theilung sie entstanden 
sind, betrachtet, ohne allen Zweifel die Vereinigung solcher Farben 
die volle Thätigkeit der Retina herstellen, also den Eindruck des 
reinen Lichtes oder des Weißen hervorbringen. Auf ein Bei: 
spiel angewandt, ließe sich dieses in Formeln also ausdrücken: 
Noth : voller Thätigkeit der Retina  Grün 
Grün : voller Thätigkeit der Retina  Noth 
Noth As Grün : voller Thätigkeit der Retina : der Wirkung 
des Lichts oder des Weißen.H 
Diese Sache ist nicht so ohne allen Zweifel, wie hier be: 
hauptet wird. Die Formel läßt sich nach dem früher mitge: 
theilten Schema auch umkehren, und man kann mit demselben 
Rethte ansekzen: 
Noth : Halbjchatten 
Grün : Halbschatten 
Noth sIsGrün : HalbschattenZ : volle Finsterniß. 
Hieraus ergibt sich, daß allen Complementarfarben das 
Bestreben innewohnt, sich in Weiß oder Schwarz aufzulösen und 
zwar nach Maßgabe ihrer Stellung zwischen Licht und Finsterniß. 
,Das Mangelhafte seiner Formel hat Schopenhauer wohl gefühlt, 
und deshalb den Zusatz angehängt, daß die Complementarfarben
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.