Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Elemente der Kunstthätigkeit
Person:
Grueber, Bernhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-387987
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-388822
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Licht 
und 
Farbe. 
Zwischen dem Wirbelreihen der ganzen und gebrochenen 
Farben, mitten im fröhlichen Getümmel der Töne bewegen sich 
unaufhörlich hin und her die beiden Elemente Weiß und Schwarz. 
Sie binden und trennen, mildern, verstärken und vervollkommnen 
das Gesammtbild: sie dürfen weder fehlen noch übermäßig 
betont sein, wenn vollständige Harmonie erreicht werden soll. 
Wie die Extreme sich berühren, stehen auch Weiß und 
Schwarz sich nahe und bringen oft, so seltsam es scheinen mag, 
den gleichen oder einen ähnlichen Eindruck hervor. Eine stille 
Würde umzieht sowol das eine wie das andere Element. Weiß 
umhüllt den Neugeborenen, wenn er bewußtlos den ersten Gang 
zu vollbringen hat, weiß war die ehrenhafte Toga des jungen 
Römers wie das Kleid der Vestalin, und weiß ist das Leichentuch, 
in welches König und Bettler eingewickelt werden. Der geheim: 
nißvolle Priester des Osiris, der fromme Cistercienser wie die 
stille Begutte wählten die weiße Tracht, welche immer als Sinn: 
bild der Reinheit und Jungfräulichkeit gegolten hat. 
Die anspruchlose Weihe geht zum feierlichen Ernst, zur 
Klage über, indem Schwarz ohne alle Vermittelung an die Stelle 
des lieb gewordenen Weiß tritt. Im schwarzen Rocke steht der 
Jüngling vor den gestrengen Examinatoren, im gesteiften schwar: 
zen Kleide wallt die Jungfrau zur ersten Communion, schwarz 
ist die Amtstracht und priesterliche Gewandung, ein schwarzer 
Trauerzug begleitet die geliebte Mutter zu ihrer Ruhestätte, und 
schwarz ist das letzte Haus, bestehend aus vier Bretern und 
zwei Bretlein. 
Darüber hin windet sich der Epheu, durchschl1mgen von 
Sinnviolen und Rosen: aus dem Tode ersteht ein neues leben: 
diges Leben, welches die Liebe gepflanzt. Gleich dem Aehren: 
selde im Winde, zahllos und freundlich wie die goldenen Sterne 
am Himmel, wogen aus und nieder die farbigen Gebilde: 
Ein ewig Meer, 
Ein wechselnd Weben, 
Ein glühend Leben: 
So schafft es am faulenden Webstuhl der Zeit 
Und wirket der Gottheit lebendiges Kleid.
        

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