Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Elemente der Kunstthätigkeit
Person:
Grueber, Bernhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-387987
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-390804
248 
VIII. 
Von 
deutscher 
Art 
und 
Kunst. 
Thiiringen. 
Die östlichen Grenznachbarn der Franken sind die Thüringer, 
welche ihrem Ursprung nach nicht mit den Sachsen verwechselt 
werden diirfen. Die Thüringer gehören zu den wenigen deut: 
schen Stämmen, welche ihren alten Namen und einen Theil 
ihrer ursprünglichen Vesiszungen gewahrt haben: die römische 
Bezeichnung Hermunduren ist unschwer im germanischen Thii: 
ringen zu erkennen. Ihre WohnsiHe breiteten sich vom Harz zur 
Saale und Elbe aus, griffen im Süden durch das koburger 
Land bis gegen die Donau vor und umfaßten neben dem Thii: 
ringerwalde die Goldene Aue, das Eichsfeld, den heutigen Regie: 
rungsbezirk Merseburg mit verschiedenen Theilen des König: 
reichs Sachsen und des bairischen Oberfrankens. 
Das gegenwärtige Thüringerland ist ebenso wenig als Frau: 
ken ein unabhängiges Reich verblieben, sondern besteht aus vielen 
kleinen Gebieten, welche theils unter sächsischer und preußischer 
Oberhoheit stehen, theils einzelnen Fürsten angehören. Das 
ganze Land gleicht einem Garten, welcher in reizender Gegend 
angelegt, ununterbrochen neue Scenerien bietet, obwol ein Haupt: 
erforderniß des Landschaftsbildes, ein größeres Gewässer, fehlt. 
Eine Eisenbahnfahrt von Leipzig nach Kassel durchschneidet This: 
ringen in ostwestlicher Richtung und zeigt ein ebenso reiches land: 
schastliches Panorama als eine Reihe der interessanteften Städte. 
Merseburg, Weißenfels, Naumburg, Weimar, Erfurt, Gotha und 
Eisenach liegen in geringen Entfernungen auseinander und ge: 
währen die einladendsten Stationen; dabei bieten die Ansflüge 
durch den Saalegrund nach Jena und Rudolstadt, oder nord: 
wärts nach Heldrungen und dem Kyffhäuser, vor allen aber 
eine Wanderung durch den Thüringerwald auf dem sogenannten 
Rennsteig die reizendften Bilder. 
Bei solchen Ausflügen bemerkt der Reifende, daß das gar: 
tenmäßige Ansehen des Landes zum großen Theile Verdienst 
der Einwohner sei, indem viele Gegenden, z. B. das Eichsfeld 
und die Berglehnen der Finne, von der Natur stiefmiitterlich 
bedacht sind und kaum das AlIernothwendigste hervorbringen. 
Deshalb fiUd auch die Dörfer eng zusammengebaut und die 
HäUf8k klein, aber reinlich gehalten und selbst in den rauhesten 
Bezirken mit Blumengärten umgeben.
        

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