Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Elemente der Kunstthätigkeit
Person:
Grueber, Bernhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-387987
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-390672
VIII. 
Von 
deutscher 
Art 
und 
Kunst. 
235 
Hagenau angenommen werden. Die Alemannen wohnten ur: 
sprünglich in den Maingegenden, wo sich um den Anfang des 
dritten Jahrhunderts vor Christus der ans verschiedenen Völker: 
fchaften, Sueven, Hermunduren, Chatten und andern, bestehende 
Alemannifche Bund bildete. Als die fnrchtbarsteu Feinde der 
Römer eroberten und besetzten sie trotz wiederholter Niederlagen 
die römischen Agri c1eoumates zwischen dem Bodensee und der 
obern Donau nnd waren im Besi4;3e eines sehr ausgedehnten 
Ländergebietes, bis sie durch die unglückliche Schlacht bei Zülpich, 
496, auf die obigen Grenzen beschränkt wurden. 
Mehr ein Jäger: und Hirtenvolk als die nördlichen Ger: 
manen, haben die Alemannen den ursprünglichen Charakter viel: 
fach gewahrt, obgleich Landwirthschaft und Industrie in ihren 
Gauen außerordentliche Fortschritte gemacht haben. Der Stamm 
ist rührig, geistig und körperlich gesund, wenn auch einzelne 
Districte, wie das Breisgau und die Waldstädte, etwas starr am 
Alten hängen geblieben sind. Seit mehrern Jahrhunderten 
unter verschiedenen Regierungen stehend, hat sich der alemannische 
Bezirk in drei Theile gespalten: die Schweiz bildete sich zu einer 
Republik aus, während Elsas; an Frankreich, die auf dem rechten 
Rheinufer gelegenen Partien aber erst an Oesterreich, dann an 
Baden gekommen sind. Sprache und Sitten haben indes; vieles 
Gemeinsame behalten, und namentlich die Sprache ist es, wodurch 
sich die Alemannen von den Schwaben unterscheiden. Der Dialekt 
ist ziemlich hart und mit vielen Zischlauten untermengt, welche 
besonders im Oberelsaß scharf hervortreten. 
Jn den Gebirgsgegenden sind Viehzucht, Holzarbeit und 
Flößerei die vorwiegenden Erwerbszweige, im Rheinthal wird 
der Wein: und Ackerbau cultivirt, auch hat sich die Gärtnerei 
sehr ausgebildet. Die Häuser auf dem Lande bestehen größten; 
theils aus Holz und zeichnen sich durch breite die ganze Fwnt2 
seite einnehmende Fenster aus, denn der Alemaune liebt helle 
geräumige Wohnungen. Großes Interesse gewährt der Besuch 
im Hause eines UhrmaGers, deren es im Schwarzwalde unzäh: 
lige gibt. Wir treten ein und sehen uns in der Wohnstube von 
zwei alten Leuten freundlich begrüßt, während die jüngern kaum 
von ihren Arbeiten aufblicken.. Ein seltsam Picken, Schnurren 
und Klingeln ertönt von allen Seiten, es ruft der Kukuk und
        

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