Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Elemente der Kunstthätigkeit
Person:
Grueber, Bernhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-387987
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-390608
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VIIl. 
Von 
deutscher 
Art 
und 
Kunst. 
Troß dieser und vieler andern Uebelstände brachen deut: 
sches Leben und deutsche Sinnesweise entlang des Rheines 
sich unaufhaltsam Bahn, im Eifelgebirge und Hundsriick, oben 
auf der stillen Hardt wie im grünen Was: und Sundgau, überall 
wo die Volksstimme sich aussprechen durfte, siegte das deutsche 
Element über die aufgedrängte und nicht selten von oben herab 
begünstigte Fremdländerei. Bei unsern Sindentenversammlungen 
stellten sich regelmäßig Abgeordnete aus Straßburg, Kolmar, 
Mömpelgard, Saarburg und andern noch tiefer in Frankreich 
liegenden Orten ein, wie wir unsererseits häufige Ausflüge in die 
Thäler der Vogesen, nach Wassenheim, Maurmünster und Bitsch 
veranstalteten. Das französirte Straßburg gern vermeidend, fiel 
uns jungen Leuten schon in den Jahren 1824ss25 aus, daß 
das Landvolk im Elsaß durchaus deutsch gesinnt sei, auch den 
Anschluß an Deutschland wünsche, aber gegen die sämmtlichen 
diesseitigen Regierungen eine uniiberwindliche Abneigung hege. 
Im ganzen verstanden es die Leute sowol der französischen wie 
der deutschen Rheingegenden bald, den edeln Kern herauszusinden 
aus dem Plunder, welchen eine verflachte Zeit und verdorbene 
Wirthschafterei aufgehäuft hatten: die politischen Ansichten klär: 
ten sich, und Elsas; wie Deutsch:Lothringen würden sich nie in so 
hohem Grade von uns entfremdet haben, wenn nicht in jüngst: 
verflossener Zeit die VerheHerei der Massen mit höchster Virtuo: 
fität betrieben worden wäre. 
Heute, nach fünfundvierzig Jahren, denke ich noch mit Ver: 
gniigen daran, wie Hunderte von Kinderköpfen aus den breiten 
Fenstern zu Brumat lustig herausgrüßten, als wir das ,,Turner 
ziehnU anstimmten und durch den Flecken in gemessenem Schritt 
marschirten. Wie von den Kindern sahen wir uns auch von den 
Erwachsenen herzlich nnd gastlich aufgenommen; ein Glas Milch 
oder Wein, ein Butterbrot wurde überall geboten, ohne daß im 
entferntesten ein Wunsch geäußert worden wäre. 
Ganz anders, aber viel unerfreulicher sah es aus, als ich 
etwas später im lieblichen Etschthale weilte, um Studien zu 
machen. Es war um das Jahr 1830, und meine Blicke hatten 
sich einigermaßen geschärft, als ich das unheimliche Treiben ge: 
wahr wurde, durch welches welsche Sprache und deutschfeindliche 
Gesinnungen herübergeleitet wurden in urdeutsche Gefilde. Schon
        

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