Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aus Schinkel's Nachlaß
Person:
Wolzogen, Alfred von Schinkel, Karl Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-371628
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-375629
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menscbenfreundliche Genien gemildert, welche sie umspielen, sich an dem angesponnenen 
Lebensfaden erfreuen, an dem fortgeleiteten Theil nehmen und von Schmerz ergriffen 
werden, wenn die grausaine Scheere ihn zerschneidet. Das selige Gefühl, welches 
das Leben im Element der Begeisterung hervorruft, ist in einer Anzahl der schönsten 
Nymphen, die man auch flügellose Psychen nennen könnte, ausgedrückt, welche Ich 
in und um diesen Brunnen bewegen. Einige smd fast ganz in das heilige Element 
eingetaukht, andere schöpfen, gießen und spenden es in den anmuthigsten Stellungen. 
Oben rückwärts zunächst die Musik des Waldes. Ein Hirt, die Syrinx dlasend, 
von Frau, Kind und Thier umgeben, wie ein sanfter Klang aus der Ferne, nur 
leicht angedeutet. Wie auf der einen Seite sich der Held dem heiligen Brunnen 
 nahte, so auf der andern, etwas höher, Werkleute, zwei Jünglinge mit Winkelmaß 
und Loth, der bereits im Schöpfen begriJene Dichter nnd unten der schon bejahrte 
Gesetzgeber, iim eben so für ihr Wirken die höhere Weihe zu empfangen.  Darauf 
folgt schon bei anbrechendem Dämmerscheine die Werkstatt des bildender: Künstlers 
CRauch7s Züge tragcndJ, welcher, von dem Genius neben ihm begeistert, emsig an einer 
Reliefsigur meifzelt, während Gehülfen mit dem Messen durd; das Loth und mit der 
Bearbeitung des rohen Steinblocks beschäftigt Jud. Die Natur selbst führt gefällig 
auf Verzierungen hin, und der Acanthus schlingt sich in der Nähe jener Werkstatt 
um die Formen des korinthischcn Eapitäls. Die Weinlese, wobei Jünglinge von 
der sich an den Tempel lehnenden Weinlaube Trauben herabreicheu , die ein Knabe 
unter Aufsicht eines mit Weinlaub bekränzten Alten tritt, kündet den gekommenen 
Abend sund Herbst. Die zugleich hereinbrechende Kühle erfordert schon die heimliche 
Flamme des Heerdes, woran die Mutter das sich am Glanze freuende Kind wärmt. 
Oben nach vollbrachten Thaten zuriIekkehrende Helden, der Anführer von einer Blei 
toria bekränzt.  Mit der Nacht und dem Winter, die jetzt folgen, hat sich zwar 
auch das Alter eingestellt, doch ist mit der Jugend nicht zugleich die Begeisterung 
von ihm gewichen, sondern se erquickt es noch in verschiedener Gestalt. Ein Alter, 
an einen Baum gelehnt, sieht dem Reigentanze der Musen zu, die ihn noch spät 
im Mondesglanze besuchen. Ein ergrauter Weiser schnitt, auf hohem Felsen am 
Meere sitzend, in den Nachthimmel hinaus, um den Lauf der Sterne zu ergrüiis 
 den, in der Nähe ein Fels am Meere, worauf entlaubte Bäume. Psyä;e, welche 
ihm indes: in seiner Wohnung die Lampe angezündet, schaut sich sorglich aus der 
T.hür derselben nach ihm um. In einem am Ufer des Meeres hingestreckten Greise, 
dem das Element, in dessen Betrachtung er versunken ist, in Gestalt einer ihm 
winkenden Nymphe entgegenkommt, ist der geheimnisvolle, sehnsiichtige Zug, welchen 
das Wasser aiif den Menschen ausübt, angedeutet. Während ein kühner Schiffer, 
Schinkel7s Züge tragend, den Gruß von einer der tanzenden Musen, die ihm die 
Hand reicht, empfängt, stößt ein anderer schon das Schiff mit dem Ruder ab, um 
in das weite, mondbeglcinzte Meer hinauszufahren und jenseits desselben die Begeis 
sterung der Musen auch nach fernen Welten zu tragen. Am nächtlichen Himmel 
steigt Selene auf ihrem Gespann zum Meere hinab. 
12. Traum am Tumulus, Ahnung eines neuen Tages. 22k Zoll hoch, 2 Fuß lang. 
    
.Der Schluß des Jrdischen und seine Verklärnng. Auf einem Grabhügel, der 
Ach am Ufer des Meeres erhebt, so daß, wie Homer sagt, die Schiffer ihn in 
weiter Ferne sehen können, sind die Angehörigen des Dahiugeschiedenen schon am. 
frühen Morgen zur Trauer versammelt. Oben ruht die Mutter mit dem kleinsten 
Kinde, dicht neben ihr der älteste Sohn, von jest an ihr Schiiher. Zunächst ein 
Blumen auf das Grab streueiider Knabe, von einein älteren gehalten,szur Seite 
ein Jüngling mit einer Palme. Ani Fuße des Tumulus, der sich in mehreren 
Stufen erhebt, sechs Jungfrauen in lebhaften Gebcrden des Schmerzes am Boden 
hingestreckt. Hinter Mist schönen, sich dunkel abhebeuden Gruppe steigen am Hinii 
met die l3ichtgenien des Morgens , unbekümmert um das vergcingliche Dasein der 
Sterblichen und die irdische Trauer, in den schönsten Gestalten nnd Bewegungen 
 mit dein Ausdruck heiliger, seliger und heiterer Feier in unvergänglicher Frische empor 
 und verkünden den Anfang eines neuen Tages, welcher mit der Sonne hinter Wolken 
emporzusteigen verspricht.
        

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