Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter
Person:
Gregorovius, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-348635
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-353078
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BUEkIs 
Dreizehntes 
Fünftes 
Capitel. 
unterschied sich von den anderen Dynasten Italiens in 
Wahrheit nur durch Titel und Gewänder, aber er hatte 
gleichwol nicht vergessen, daß er im Besit5e der geistlichen 
Autorität sei und sich ihrer für seine weltlichen Zwecke be: 
dienen könne. Diese Doppelnatur, das seltsamste Product 
Europas, welches aus der Verbindung der praktischen Ge: 
schichte Roms mit der christlichen Mystik entsprang, maGte 
den Papstkönig noch allen Mächten furchtbar, und seinen 
Teinpelstaat unzerstörlich. 
Keine noch so tiefe Finsternis; Roms, wie sie Satiriker 
oder Heilige von Pier Damiani bis auf Clencange gebrand: 
1narkt oder verklagt hatten, glich der Entsittlichung zur Zeit 
Borgia,s, wo das Licht der Humanität den schwarzen Schatten 
des Vatican um so furchtbarer erscheinen ließ. Hier saßen 
unter Trümmern der alten Kirche und auch der alten Gemeinde: 
freiheit Roms in schönen Prunkgemächern der Vater und der 
Sohn, unu1nsihränkte Gebieter, umringt von willfährigen 
Dienern, beide gewissenlos und scharfsehende Geister, sich be: 
rechtigt dünkend, wie einst Tiberius, ihr Zeitalter, das feile 
Volk und den Senat zu verachten, der ihnen gehorsamte. 
In diesem Senat trauerten einige edle Männer, wie Picco: 
lo1nini und Caraffa, aber die meisten waren Creaturen der 
Borgia, und viele verderbt wie sie. Der Jesuit Mariana 
nannte später Alexander VI. nicht Papst, sondern nur Vor: 
steher der kirchlichen Ceremonien, und in Wahrheit war die 
öffentliche Religion, wie sie sich in Rom darstellte, nichts 
mehr als ein hergebrachter Cere1noniendienst. ,Sie war es 
auch im Allgemeinen in Italien überhaupt. Jhre äußeren 
GeseHe aufrecht zu halten galt als Klugheitsregel für Repu; 
bliken und Fürsten; denn die Religion mit ihren Wundern
        

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