Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter
Person:
Gregorovius, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-340993
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-341623
ghibelIinische 
Das 
Reich8ideal. 
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blieb in der That ein ganzes Menschenalter hindurch der dank: 
barste Bundesgenosse und der treueste Advocat des heiligen 
Stuls. Als er im Anfang des Jahrs 1310 von Avignon 
nach Jtalien kam, anerkannten ihn die Guelfen sofort als 
ihr nationales Haupt. Dies war für die führerlosen Ghibel: 
linen ein Grund mehr, die eilige Romfahrt Heinrichs VII. 
zu wünschen. In den ausgezeichnetsten Männern ihrer 
Partei lebte eine glühende politische Messiashoffnung, und 
ihr hat Dante in der geheimnißvollen Gestalt des ,,Ve1troE 
Form gegeben. Der größeste Repräsentant der Leiden und 
der Hoffnungen seines Vaterlandes, der im Exil irrende 
Dichter, war der begeisterte Prophet dieser ghibellinischen Stint: 
mung. Seine Proclamationen, selbst manche berühmte Stel: 
len seines Gedichts haben den völligen Wert vonvpolitischen 
Urkunden über den Geist jener merkwürdigen Zeit. Im 
Widerspruch zur Geschichte der Ro1nfahrten, welche die Jta: 
liener seit Jahrhunderten als Jnvasionen verwiinfcht hatten, 
sah der vorurteilslofe Dante in den legitim gewordenen Kö: 
nigen der Römer aus deutscher Nation die von Gott beru: 
senen Retter Italiens, deren heilige Pflicht es sei, das zer: 
triimmerte ReiO diesseits der Alpen wiederherzustellen. Nichts 
beweist so klar die tiefe Verzweiflung des ganz zerrissenen 
Landes als dies, daß der edelste Patriot der Jtaliener die 
Rückkehr der deutschen Kaiser mit Waffengewalt in sein eig: 
nes Vaterland begehrte. Die Jtaliener haben ihm dies kaum 
verziehen; sie tadelten es als Ueberspannung ghibelIinischer 
Parteileidenschaft, aber der hohe Geist Dante7s erhob sich 
in seiner philofophischen Anschauung zu einem Weltideal, 
an welches keine Parteiansicht hinanreichen konnte, und worin 
auch die Nationalität indifferent ward. Die Habsburger,
        

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