Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter
Person:
Gregorovius, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-333919
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-335413
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Neuntes Buch. 
Capitel. 
Drittes 
Seine Anhänger stiegen nicht in den Abgrund eines dichteri: 
schen Gemüts hinab, dessen Überirdische Extase unerfaßbar 
war; sie gaben einem Reich tiessinniger jenseits der Welt 
schwebender Entziickungen eine rohe äußerliche Gestalt; sie 
forderten die Erhebung eines idealen enthusiastischen Daseins 
in der Freiheit der Seele zu einem geregelten Mönchsstaat, 
worin die Armut, als mysiische Königin, unter Hymnen 
singenden Bettelbriidern auf einem goldenen Trone  saß. 
Diese geschäftigen Jiinger eines Heiligen konntest indes; die 
menschliche Gesellschaft nicht reformiren; die Entbehrnng ist 
erfinderisch und revolutionär, aber die Armut ohne sie kein 
reformatorisches Princip: sie konnten nur einen wandernder: 
Vruderorden darstellen, ohne einmal zu ahnen, welchen Einfluß 
er auf die Gesellschaft haben würde. Sie trieben ihren Heili: 
gen, der kein Philosoph, kein Theoretiker, sondern ein naives 
Kind Gottes war, dazu an, ein Gesetzgeber zu sein. Die 
Kirche untersagte die Gründung neuer Regeln, weil der 
lMönchsorden schon zu viele waren, und alle verweltlicht und 
abgenußt; daher wurde es S. Franciscns oder feinen Jiin: 
gern nicht leicht, durchzudringen. Er fand jedoch in Rom 
mächtige Freunde, die edle Jacoba de Septemsoliis vom Haus 
der Frangipani, den reichen Cardinal Johann Eolonna, den 
leidenschaftlichen Cardinal Hugolin, seinen eifrigsten BeschiiHer, 
nachmals Papst Gregor IX., ferner den hochangesehenen 
Matheus Rubeus vom Haus Orsini, den Vater des späteren 
Papsts Nicolaus III. Jnnocenz, der Mann des großen 
praktischen Verstandes, erkannte die Bedeutung des entstehen: 
den Bettlerordens nicht. Ahnte er vielleicht die Gefährlich: 
lett eines Princips, welches der weltlichen Macht der Kirche 
entschieden feindlich wars Es gibt keine,größeren Gegensätze
        

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