Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter
Person:
Gregorovius, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-326756
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-329674
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Siebentes 
Buchs 
Sechstes 
Capitel. 
spottet ihrer die allgemeine Bildung als verspciteter Träume 
von Finsterlingen und Fanatikern. Man darf Gregor, vor: 
werfen, daß er die Kirche in zwei Hälften zerriß: in die 
unheilige, nicht einmal mehr wahlberechtigte der Laien; in 
die heilige, sich selbst erwählende Priefterkaste; dieser große 
Begriff der christlichen Republik wurde durch die gregoriani: 
schen Grundsätze in der That verfälscht, denn die Hierarchie 
seHte sich an die Stelle der Kirche.1 Die Reste der altchrist: 
lichen Gemeindeform gingen durch Gregor VII. unter. Er 
flößte dem hierarchischen Institut der Kirche einen hureau: 
kratischen, dem Papsttum einen cäsarischen Geist ein. Wenn 
dieses vollkommene System alle politischen Formen, Demo: 
kratie, Aristokratie, Monarchie in feiner Verfassung vereinigte, 
so erzeugte doch seine von einem Einzelwillen gelenkte Ma: 
schinerie und die Centralisation aller dogmatischen Macht in 
einer Kaste alle Uebel geistlicher Willkür und Tyrannei, und 
man wird begreifen, daß das Werk Gregoris VII. die deutsche 
Reformation nach sich ziehen mußte. Jndem Hildebrand die 
Kirche eigentlich erst vom Volke trenute, zerstörte er ihr 
evangelisches Ideal, und aus feinem Princip folgte später 
auch mit Notwendigkeit ihre Trennung von der Civilisation, 
gegen welche sie als Hierarchie heute sich nur abschließend 
und feindlich verhält, stets nur der unvollkommenen Ver: 
gangenheit des Mittelalters zugekehrt, und unfähig das ver: 
jüngende Princip der Geistesfreiheit in sich aufzunehmen. 
Das Beste, was Gregor .that, war aber die von ihm
        

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