Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter
Person:
Gregorovius, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-326756
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-329187
Heinrich in der Lombardei. 
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Die menschlichen Dinge cnlminiren in der Höhe und  
Tiefe, und steigen dann herab und empor. Derselbe Augen: 
blick sah Gregor auf der Sonnenhöhe seines Glücks, Heinrich 
in der Tiefe seines Falls; jener stieg nun langsam zum Ge: 
wöhnlichen herab, dieser ridhtete sich langsam wieder auf. 
Als er aus dem Schloß, wo er die Würde des Reichs und 
die Größe der Väter gelassen hatte, wie ein Mann heranskam, 
der aus einem schrecklichen Traum erwacht, empfing ihn tiefe 
Grabesstil1e in der Lombardei. Die tapfern Lombarden, noch  
in den Waffen, wandten sich verächtlich von ihm ab; die Hsi222i.;k,ss 
Grafen, die Bischöfe kehrten ihm den Rücken, oder empfingen LpJZq:Z:u. 
ihn kalt; die Städte, in denen der republikanische Geist schon 
kräftig e1nporwuchs, weigerten ihm die Herberge, oder ver: 
pflegten ihn mit sanmseliger Verachtung nur vor ihren 
Mauern. Ein Gefühl des Unwillens ging durch Norditalien: 
Heinrich habe der Krone nnauslöschlichen Schimpf angethan; 
sie seien bereit gewesen, mit ihm vereint den öffentlichen 
Feind zu bekämpfen, nun habe er verräterisch seinen schimpf: 
lichen Frieden mit ihm gemacht; den kleinen Konrad müsse 
man an des unmännlichen Vaters Statt erheben, mit ihm 
nach Rom ziehen, ihn zum Kaiser krönen, Gregor ver: 
jagen, einen andern Papst wählen.1 
Heinrich hatte Canosfa nur Verlassen, um die Beute 
eines neuen Confliets zu werden. Wenn er, wie er den 
Lombarden erklärte, die Losfprechung nur nachsuEhte, um 
frei zu sein und sich am Papst zu räOen, so muß jedes 
Urteil seine Falschheit verdammen, die Strenge des Papstes 
aber entfchuldigen. Nur konnte ein Menschenkenner, wie 
1 Lainbert schildert lebhaft die Stimmung in der Lombardei. 
versiegt diese ausgezeichnete GeschichtsquelIe mit dem Jahr 1077. 
Leider
        

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