Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter
Person:
Gregorovius, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-320555
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-322995
202 
Fünftes 
Buch 
Sechstes 
Capitel. 
Carl 
der 
Kahle 
kam , 
Voll 
seiner 
Gemalin 
begleitet, 
mit einem Heere wirklich naO Italien. Bei Orba empfing 
er die Abschrift der Synodalacten von Rom, und die Mel: 
dung, daß der Papst ihm bis Pavia entgegen. reisen wolle. 
Johann befand sich nämlich in Ravenna, wo er im August 
877 eine Synode hielt. Unter den Beschlüssen derselben 
betrafen einige die Patrimonien der Kirche, gegen deren Ver: 
äußerung durch irgend welche Titel feudaler Natur ein De: 
cret erlassen ward. Der Begriff des Feudum, welches Wort 
damals noch nicht in Gebrauch war, wurde in dieser Epoche 
im Allgemeinen durch Benesiciu1n ausgedrückt. Ländereien 
wurden als Benesicia verliehen, andere in Folge eines scbrist: 
lichen Gesuchs Cp1sa.ecariumJ als sogenannte praestaria zur 
Nutznießung gegeben, und von dem Instrument der Verleihung, 
welches libellum genannt ward, hießen diese Grundstücke dann 
libellaria.k Die immer größere Verwirrung aller Verhält: 
nisse, da Habsucht nnd Raubgier, Gewalt und Betrug jeder 
Art nach dem GiiterbesiH strebte und unzählige Titel für ihn 
erfand, erleichterte die Entsremdung des Eigentums, und die 
Benefizien verwandelten sich in Erbgiiter dessen der sie em: 
pfa11gen 
hatte. 
Die 
Großen 
Rom7s , 
Alls 
deren 
Mitte 
die 
Päpfte emporkamen, streckten ihre Hände gierig nach den Pa: 
trimonien. aus, und die Päpste sahen sich bald genötigt, die 
Güter S. Peters an ihre Parteimänner unter Pachttiteln zu 
Senatus, t0tinsque Romanj p0p111j, gentjsque 10gatae, und die Bischöfe 
bestätigen: quem e1egjstis e1jgimus.  Dieser Synode erwähnt Aimois 
nus V. c. 35, und Hincmar Anna1. A. 877. 
4Den Begriff der precaria und praestaria lernt man aus den 
Formeln des Marculfus; II. n. V. P. 109. XXVII. p. 241.  II. n. 
40. p. 174. XXVlIl.p. 243 wird pkaesta1sia so erklärt: ad praestjtum 
,beneiIeium tibi praestare, nachdem nämlich das Bittgesuch, die p1seca1sia, 
eingereicht worden ist.
        

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