Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter
Person:
Gregorovius, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-315077
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-317833
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Viertes 
Bushs 
Erftes 
Capitel. 
um Rom zu ziehen, und den germanischen Eroberern zu 
verwehren, diese eine Stadt zu bewältigen und ihren kosmo: 
politischen Charakter auszulöschen. Das Glück nnd das 
Talent der Papste war in der That größer als jenes Cäsars. 
Als der waffenlose Gregor in so kritischen: Augenblick mutig 
in das Lager Liutprandis zog und eine Rede im Geiste Leols 
des Großen an ihn richtete, sah man den tiefbeleidigten 
König vor ihm auf die Kniee niederfallen. Der priesterliche 
Zauberer führte den entwaffneten Feind schnell an das Apostel: 
grab, und der König legte seinen Purpurmantel, sein Schwert, 
ja seine Krone und alle seine kühnen Pläne dem todten 
Heiligen zu Füßen. Den päpstlichen Triumf begleitete das 
Te Deum der entziickten Priester; man schloß Friede und 
Versöhnung; auf Liutprandis Bitten löste der Papst auch 
den Exarchen vom Kirchenbann. Diese eine Stunde entschied 
die Zukunft des weltbeherrschenden Papsttums. Sie glänzt 
in dessen Geschichte vielleicht heller, als die sagenhafte Er: 
scheinung Levis vor Attila, nnd schon 300 Jahre vor der 
beriih1nten Scene von Canossa zeigte sie der Welt, welche 
rätselhafte Gewalt der Bischof Roms erlangt hatte. Die 
in finstern Wahn versenkte Menschheit beugte sich vor dem 
Priestertum der Kirche, in der sie die einzige göttliche Macht 
auf Erden verehrte, und ihr anerkanntes Oberhaupt, in dessen 
Händen sie den Segen des Himmels wie seinen todbringen: 
den Fluch glaubte, erschien ihr als ein heiliges Wesen von 
iibermenschlicher Natur. 
Ek,zek,k,M Liutprand, ganz bezauberr und erschüttert, betrat nicht 
PTYtk,bITIW einmal Rom; der demütige König brach das Lager ab, und 
Rom ab zog auf der fIamiuischen Straße hinweg. So entwich die 
Krone Rom7s und Jtalien,s, welche einen Augenblick lang
        

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