Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter
Person:
Gregorovius, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-309813
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-310380
der 
Begriff 
der 
Stadt 
Rom. 
17 
Tradition wunderbar erscheint, so mag man erwägen, daß in 
jeder Gestalt gewinnenden Religion Ueberlieferung und Mythe 
den Grund sur praktische Wirkungen bilden. So bald sie die 
Welt anerkannt hat, werden sie in ihr zu Thatsachen. Außer: 
dem wurde dieselbe Tradition für jede andere Stadt kraftlos 
geblieben sein. Weder die Heiligkeit von Jerusalem, wo 
Christus lehrte und starb, noch die unbezweifelbare Stiftung 
der Gemeinde Antioihia7s durch Petrus gaben diesen Städten 
das Recht des Anspruchs auf den kirchlichen Primat. Aber 
die Bisehöfe im Lateran, welche die politische Bedeutung der 
Hauptstadt Constantinopel nicht als maßgebend für die Stellung 
des dortigen Patriarchen anerkannten, ergriffen mit Erfolg 
die Ansprüche, welche die alte Welthauptstadt auf die Ehrfurcht 
und den Gehorsam der Völker machte.1 Der Nimbus der 
ewigen Roma fiel auf ihr priesterliches Haupt zurück. Sie 
waren die Erben des Geistes, der Discipli11, der ehrgeizigen 
Triebe der alten Römer, und obwol das Reich zerfiel, bestand 
doch dessen große, wenn auch entseeIte Maschiuerie. Die 
Länder trugen noch die tiefen Geleise der Regierung und 
p1s0fecti0ne Petri Ap. in urbem R0man1 wird manchem Leser bekannt 
sein. Außerdem findet er eine lehrreiche Abhandlung über diese Frage 
in Archimbald Brower7s Unparteiijcher Historie der röm. Päpste n. l., 
und neuerdings untersuchte sie wieder M. Vie1met Hist. de la PujssiInce 
 Paris 18G6. Vol. I. P. 5 2c. Die römische S. Petrus: 
         
p1sjncipis  1ibri 1I., Rom 1770, vom röm. Standpunkt. 
4Leo l begründete den Primat Roms durch die Lehre vom 
höchsten Apostolat S. Peters, was die Orientalen stets bestritten. Auf 
der Shnode zu Chalcedon setzten sie es durch, daß der Kirche von Con: 
stantinopel CNeu:RomI dieselben Privilegien zuerkannt wurden, wie sie 
die von Alt:Rom besaß, daß also die politische Bedeutung des Städte 
den Rang der Kirchen entscheide. Dagegen protestirten Leo I und seine 
Nachfolger auf das heftigste. 
Gregorovius, Geschisj;te der Stadt Rom. l. 2te Aufl. 2
        

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